Ludwigshafen

Kinderschutzdienst Bei Gewalt gegen Kinder in Coronazeiten rechnen Experten mit verzögerten Meldungen

Anstieg der Fälle wird erwartet

Archivartikel

Ludwigshafen.Was sonst nur am Wochenende oder in den Ferien vorkam, ist seit Beginn der Corona-Krise in vielen Haushalten inzwischen Alltag: Eltern und Kinder verbringen mehr Zeit als sonst zusammen in den eigenen vier Wänden. Eine ungewohnte Situation, die verschiedene Emotionen und Reaktionen hervorrufen kann.

Mitte Mai vermutete das Bundesfamilienministerium einen Anstieg bei der Gewalt gegen Kinder. „Die Zunahme der Anrufe bei der Kinderschutzhotline weist darauf hin, dass sich Befürchtungen bestätigen, wonach im Zuge der Ausgangsbeschränkungen auch mit einer Zunahme an Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu rechnen ist“, teilte eine Sprecherin mit. Sabine Krömker, Leiterin des Kinderschutzdienstes Ludwigshafen, kann das noch nicht bestätigen: „Das Aufkommen an Fällen seit Ausbruch der Pandemie ist etwa gleich geblieben. Aufgrund der erschwerten Zugangswege rechnen wir jedoch mit einem Anstieg der Zahlen nach vollständiger Öffnung der Schulen und Kitas.“

Pandemie erschwert Hilfe

Krömker geht davon aus, dass die Anfragen beim Kinderschutzdienst Ludwigshafen mit Verzögerung eintreffen. „Die Lehrkräfte und Kindergärtnerinnen sind zum Teil sehr gut geschult und wissen, wie sie sich verhalten müssten, wenn ein Verdacht auf Gewalt gegen Kinder aufkommt“, sagt Krömker, „die stellen dann den Kontakt zu uns her“.

Die promovierte Diplom-Psychologin konnte in den letzten Wochen beobachten, dass Familien sehr unterschiedlich mit der Krise umgehen: „Wir haben mit Klienten gesprochen, bei denen sich das Konfliktpotenzial innerhalb der Familie erhöht hat. Andere Familien berichten von einem entspannteren Zusammenleben.“ Mit Ausbruch der Pandemie und den damit verbundenen Kontaktbeschränkungen waren die Zugänge zum Kinderschutzdienst, der unter der Trägerschaft des Kinderschutzbundes steht, erschwert. „Wir mussten andere Wege wählen, um auf uns aufmerksam zu machen“, sagt Krömker. Flyer wurden an Haushalte verteilt, Plakate aufgehängt und die wöchentlichen Sprechstunden in Zeitungen sowie Onlineplattformen publik gemacht.

Jeden Montag, Mittwoch und Freitag zwischen 10 und 12 Uhr sind die vier Mitarbeiterinnen des Kinderschutzbundes am Telefon ( 0621/51 12 11) erreichbar, außerhalb dieser Zeiten kann auf einen Anrufbeantworter gesprochen werden, der täglich abgehört wird. Neue Wege gehen Krömker und ihre Kolleginnen auch bei den Kontaktkanälen. „Seit neuestem beraten wir Eltern, Kinder und pädagogische Fachkräfte auch per Videochat oder bei gemeinsamen Spaziergängen.“

Der Kinderschutzdienst Ludwigshafen ist eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die von sexueller, körperlicher oder seelischer Gewalt betroffen sind. Die Mitarbeiterinnen begleiten die Betroffenen auf dem Weg aus der Gewalt, beraten aber auch Erwachsene aus dem unterstützenden Umfeld des Kindes. Die Beratung erfolgt kostenlos, die Mitarbeiterinnen unterliegen der Schweigepflicht.

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