Ludwigshafen

Fest Kultursommer auf Gelände des ehemaligen TWL-Umspannwerks eröffnet / Dezernentin Reifenberg lobt „Bürgerbewegung“

Auftakt mit Winker-Alphabet

Archivartikel

Ludwigshafen.Als die ersten Radfahrer auf dem Gelände des ehemaligen TWL-Umspannwerks in der Raschigstraße eintrafen, waren die Tische fürs Eröffnungsfest zum Kultursommer bereits gedeckt. Der Ludwigshafener Künstler Helmut van der Buchholz, der zuletzt mit seiner Ausstellung „Ich sehe Katzen an der Wand“ in Mannheim gastierte, hatte zuvor die Exkursionsteilnehmer an verschiedene Spielstätten des Kultursommers geführt, der bis Ende August rund 100 Veranstaltungen im ganzen Stadtgebiet bietet.

Ausgehend vom Kulturzentrum „das Haus“ waren bei frühsommerlichem Wetter erste Eindrücke vom kommenden Geschehen im wahrsten Sinne des Wortes zu „erfahren“. Und das kam an: „Mich hat das Engagement der zahlreichen Künstler beeindruckt“, freute sich Susanne Lamm aus Schifferstadt, die in Ludwigshafen arbeitet und somit den einen oder anderen Platz bereits kannte. Auf unkonventionelle Weise seien die Künstler mit Neugierigen in Kontakt getreten. Vor allem die Punk-Band, die in der Unterführung am Bahnhof spielte, hatte es ihr angetan, so dass mit Blick auf den Kultursommer ihr Entschluss feststand: „Ich schaue mir definitiv einige Programmpunkte an.“

Gedicht auf die Stadt

Auch Bernhard Wadle-Rohe freute sich über die Radtour – was auch daran lag, dass er dabei als teilnehmender Künstler sein „Hassgedicht“ auf Ludwigshafen vortragen konnte. Eigentlich sei es doch ein Liebesgedicht, versicherte der Autor, der am vergangenen Sonntag auf der Linken-Liste in den Stadtrat gewählt worden war.

Zur Eröffnung des 29. Kultursommers wünschte Ulli Sauer, Vorstandsmitglied des Hauptsponsors Sparkasse Vorderpfalz, „spannende, kreative, abwechslungsreiche Wochen, bei denen sich Zuschauer und Künstler begegnen.“ Wie eine solche Interaktion aussehen kann, demonstrierte Wolfgang Vogel beim Eröffnungsfest. Der Künstler, der wie viele seiner Kollegen im Atelierhaus anzutreffen ist, lud die Besucher zu einer spontanen Performance ein.

Als Hilfsmittel diente das Winkeralphabet, ein traditionelles Kommunikationsmittel aus der Seefahrt, bei dem mittels Handzeichen und Flaggen Buchstaben dargestellt werden.

18 Teilnehmer ließen sich den Spaß nicht nehmen und vermittelten einen Vorgeschmack darauf, wie facettenreich es beim Kultursommer in Ludwigshafen zugeht. Was erwartet die Bürger bis Ende August? „Ludwigshafen wird sich wieder in einen grenzenlosen Erlebnisraum für kulturelle Angebote verwandeln – Bürger und Gäste werden Teil einer kulturellen Bürgerbewegung sein“, hatte Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg (CDU) angekündigt.

Höhepunkte im Programm gibt es einige: Malereien und Zeichnungen von Gabi Klinger sind unter dem Motto „Conditio humana“ im Foyer des Kulturzentrums „Das Haus“ zu sehen. Dort sind die Originalwerke „Die Ludwigshafenerin“ und „Der Ludwigshafener“ ausgestellt – die Motive des diesjährigen Kultursommers. Großer Beliebtheit erfreut sich die „Germany’s Ugliest City Tour“, ein innovatives Format von Stadtführungen, das selbstbewusst die weniger rühmlichen Fleckchen der Stadt ins Rampenlicht rückt. Per Rad oder zu Fuß kann man etwa „den gescheiterten Grüngürtel“ genießen.

Mehrfach wird die Umgebung per Schiff erkundet. Theaterproduktionen und Performances bieten eine große Bandbreite. Eine Besonderheit: Kunstschwester Richmute kommt zu einer Matinee zum Thema Demenz ins Pflegeheim Haus Friesenheim.