Ludwigshafen

Gnadenhochzeit Marianne und Emil Elbert seit 70 Jahren verheiratet

Bei der Arbeit hat es gefunkt

Archivartikel

Ludwigshafen.Ein sehr seltenes Jubiläum haben Marianne und Emil Elbert aus der Gartenstadt am Dienstag gefeiert – ihren 70. Hochzeitstag, auch „Gnadenhochzeit“ genannt. Im Garten des Seniorenwohnheims empfing das Paar die offiziellen Gäste, darunter Ortsvorsteher Klaus Schneider und Theresa Lee vom städtischen Bereich Seniorenförderung.

Die 93-jährige Frau und ihr 91-jähriger Mann haben sich vor 72 Jahren kennengelernt, als sie sich beide Arbeit suchten bei der Firma Butz und Leitz in Oggersheim, einem Hersteller von landwirtschaftlichen Waagen. Marianne, geborene Krauß, bewarb sich als gelernte Stenotypistin fürs Büro, Emil als Feinmechaniker in der Werkstatt.

Schicksalsschläge weggesteckt

Als er sich in Marianne verliebte, war sie bereits volljährig – er noch nicht. „Ich wollte mich zuerst für volljährig erklären lassen, um heiraten zu dürfen. Dann zog sich der Antrag hin, bis ich 21 war und die Genehmigung nicht mehr brauchte“, erinnert sich Emil. Im Jahr der Hochzeit kam schon Sohn Bernd auf die Welt, 1951 Monika und zwei Jahre später Peter. Lange arbeitete Emil, der aus der Gartenstadt stammt, nicht bei Butz und Leitz. Er war und ist nicht gerade auf den Mund gefallen und legte sich mit seinem Chef an, als dieser ihn rügte, weil er während der Arbeitszeit an einem Gewerkschaftstreffen teilnahm. Frisch verheiratet, mit Kleinkind, arbeitslos – doch dies sollte nicht lange so bleiben, Emil fand eine Anstellung bei der Anilin, wo er bis zur Rente blieb. Mitglied der Gewerkschaft ist er noch heute.

Seine Frau stammt aus dem Hemshof – war aber, bevor sie Emil kennenlernte, in jungen Jahren schon viel herumgekommen. „Als ich zehn Jahre alt war, wurde mein Vater nach Dessau versetzt, im Krieg zogen wir nach Straßburg“, blickt Marianne zurück, die mit ihrer Mutter ein Jahr in einem Internierungslager für Zivilgefangene in Frankreich verbracht hat.

1946 erfolgte der Neustart in Ludwigshafen. „Ich habe mir einfach Arbeit gesucht“, meint Marianne. Obwohl die beiden viele Schicksalsschläge einstecken mussten, auch später, denn beide Söhne sind bereits gestorben, haben sich Marianne und Emil ihren Humor bewahrt. „Letzte Woche klingelte das Telefon, und es war jemand von der Stadt dran und fragte nach einem Termin mit uns wegen unseres 70. Hochzeitstages. Ich sagte zu Marianne, weißt du, was für ein Ereignis bevorsteht? Sie wusste es nicht auf Anhieb“, erzählt Emil, und Marianne schmunzelt.

Eine große Feier möchten die beiden nicht. Aber auf einen Besuch der sechs Enkel und sechs Urenkel freuen sie sich sehr.