Ludwigshafen

Barrierefreiheit Behindertenbeirat hört Zwischenbericht

Beim ÖPNV noch viele Baustellen

Archivartikel

Ludwigshafen.Eine Zwischenbilanz zum Thema Barrierefreiheit innerhalb der Stadtverwaltung präsentierte der Beirat für Menschen mit Behinderungen in seiner jüngsten Sitzung. Außerdem gab er einen Rückblick auf die Ursprünge des Gremiums.

„Wenn ich sehe, was wir in den vergangenen Jahren erreicht haben, ist es in Ordnung – aber es liegt noch viel vor uns, vor allem im ÖPNV“,bilanzierte der Behindertenbeauftragte Hans-Joachim Weinmann in seinem Sachstandsbericht. Von 51 Straßenbahnhaltestellen sind 33 behindertengerecht – das sind um die 60 Prozent. Manche davon, wie die Haltestelle Kaiser-Wilhelm-Straße, können aus platztechnischen Gründen nicht umgebaut werden. Gehbehinderte Menschen müssen ersatzweise am Pfalzbau oder Berliner Platz aussteigen – und deshalb einen Umweg in Kauf nehmen. Bushaltestellen sind allerdings nur zu 40 Prozent behindertengerecht.

Scooter bereiten Kopfzerbrechen

Besonderes Kopfzerbrechen bereitet Weinmann jedoch seit längerer Zeit die Mitnahme von E-Scootern in öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Beauftragte führt in dieser Frage rege Korrespondenz mit der RNV und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). „In Bussen der RNV werden E-Scooter mit der blauen Zulassungsplakette inzwischen befördert, jedoch nicht in Straßenbahnen. Wer von der Pfingstweide aus in die Innenstadt will, bleibt in Oppau stehen“, so Weinmann. Der Grund für die Ablehnung der Elektromobile lautete bisher: mangelnde Sicherheit. Für den Beauftragten heißt dies, Beweise für die Sicherheit sammeln und weiterhin am Ball bleiben.

Im Jahre 2006 war das „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen worden, 2008 trat es in Kraft. 2014 wurde in Ludwigshafen der Beirat gegründet, der schon damals langjährige Behindertenbeauftragte Hans-Joachim Weinmann wurde zum Beauftragten des neuen Gremiums.

Das nächste Ziel des Beirats ist nun ein Behindertenaktionsplan, der schon vor zwei Jahren vom Stadtrat beschlossen wurde. Im Plan aufgelistet sind verschiedene Handlungsfelder wie zum Beispiel Bildung und Erziehung, Bauen und Wohnen. Der Beirat habe acht Bereiche der Stadtverwaltung angeschrieben und geschildert, was man in Sachen Barrierefreiheit noch tun könne. „Der Aktionsplan betrifft nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Kunden“, sagte Inge Fischer, Abteilung Steuerung. Barrierefreiheit heiße nicht nur, Schwellen im Boden zu beseitigen, sondern auch leicht verständliche Bescheide in großer Schrift oder Feueralarm in Form von Lichtsignalen – damit auch Gehörlose gewarnt sind. Nächster Schritt sei die Beratung über die Ergebnisse der Anschreiben.