Ludwigshafen

Soziales Jugendberufsagentur kümmert sich um Arbeitslose / Sozialarbeiter sind direkt eingebunden

Bessere Hilfe für Problemfälle

Ludwigshafen.Sie haben häufig keinen Schulabschluss und eine Ausbildung abgebrochen. Bisweilen kommen Suchtprobleme und hohe Schulden hinzu. Speziell um arbeitslose junge Leute mit vielschichtigen Problemen kümmert sich die Jugendberufsagentur. Deren Bilanz ein Jahr nach der Gründung kann sich nach Ansicht der Jugenddezernentin Cornelia Reifenberg sehen lassen. 19 junge Leute konnten eine Ausbildung oder eine Arbeit aufnehmen. 14 weitere seien etwa durch eine Verbesserung der finanziellen oder Wohnprobleme „stabilisiert“ worden. „Das Vermittlungsergebnis liegt auf einem hohen Niveau für diese Zielgruppe“, lobt Anja Hölscher, Geschäftsführerin des Job-Centers, die Bemühungen der Mitarbeiter.

Zusammen mit der Agentur für Arbeit hatten die Stadtverwaltung und das Job-Center eine gemeinsame Anlaufstelle unter einem Dach in der Berliner Straße eingerichtet. Die Jugendlichen erhalten eine intensivere Unterstützung sowie passgenaue Förderangebote, sagt Beatrix Schnitzius, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit. „Wir haben zwar schon früher kooperiert. Aber nun geht es schneller, weil die anderen behördlichen Ansprechpartner gleich nebenan in den Zimmern sitzen“, ergänzt Sabine Heiligenthal, Bereichsleiterin der städtischen Jugendförderung.

Gewöhnung an Tagesstruktur

Für einen neuen Ansatz sorgt zudem die direkte Einbeziehung der Straßensozialarbeiter. „Diese können ganz anders mit den Jugendlichen reden als Verwaltungsbeamte. Die jungen Leute sind dann viel zugänglicher und haben nicht mehr den Eindruck, dass sie auf einer Behörde sind,“ sagt Judith Benkert, Teamleiterin beim Jobcenter.

Die Sozialarbeiter werden bei Suchtproblemen und Schulden aktiv und zeigen Lösungsmöglichkeiten auf. Sie halten kurzen Draht zum Haus des Jugendrechts, wenn ein Heranwachsender strafrechtlich in Erscheinung getreten ist.

Schnelle Verbesserungen sind gleichwohl nicht so häufig zu erreichen. „Viele arbeitslose Jugendliche tun sich schwer, sich wieder an eine Tagesstruktur und geregelte Arbeitszeiten zu gewöhnen“, nennt Gerhard Kaufmann, Teamleiter der städtischen Jugendförderung, ein großes Problem. Etliche seien psychisch labil und nicht sehr belastbar.

Positive Beispiele gibt es dennoch: Ein 18-Jähriger hatte nach einem Gerichtsverfahren die Arbeitsstelle verloren und war nach einem massiven Familienstreit Zuhause ausgezogen. Dank der sozialpädagogischen Unterstützung bekam er wieder die Kurve und hat inzwischen eine Ausbildungsstelle gefunden, so Kaufmann.

Vor allem in der Gastronomie, aber auch im Handel und in Dienstleistungsbetrieben ergab sich für viele Jugendliche eine neue berufliche Perspektive. Die Mitarbeiter der neuen Agentur kümmerten sich bislang um 162 Personen – das ist oft sehr zeitintensiv. Die Betreuung dauert im Durchschnitt 150 Tage.

Mehrkosten durch das Gemeinschaftsprojekt sind indes weder bei der Stadtverwaltung noch bei der Arbeitsagentur entstanden. Es waren lediglich eine Umorganisation und ein Umbau von sieben Räumen in der Berliner Straße nötig, die früher das Jobcenter genutzt hatte.

Wissenschaftlich begleitet wird die Jugendberufsagentur vom Institut für Sozialpädagogische Forschung (ism), das bereits ähnliche Einrichtungen in Mainz und Kaiserslautern unterstützte. Für eine effektive Verbesserung sorgt indes auch eine Gesetzänderung im vergangenen Jahr. Danach kann das Jobcenter erstmals junge Menschen betreuen, die keine staatlichen Leistungen erhalten haben – und bislang durch alle Netze der sozialen Sicherung gefallen sind. Folge: Zwölf Jugendliche werden dank der neuen Regelung unterstützt.