Ludwigshafen

Kultur Helmut van der Buchholz erläutert Führung „Zurück zum Beton“

Blick auf einstige Pionierarbeit

Ludwigshafen.„Besuchen wir unsere Hochstraßen, so lange sie noch stehen!“ Dem Aufruf des Stadtführers und Künstlers Helmut van der Buchholz zur Veranstaltung „Zurück zum Beton!“ folgten 50 neugierige Bürger. Warum sich Ludwigshafen den Titel als „hässlichste Stadt Deutschlands“, so das Ergebnis einer Umfrage des NDR-Magazins „Extra 3“, verdient habe, sollte zwei Stunden lang eindrucksvoll untermauert werden.

Treppe ins Nichts

Wie allgegenwärtig der Baustoff Beton im Alltag der Menschen ist, beschrieb van der Buchholz so: „Unter dem Betonpflaster der Wege liegt noch mehr Beton. Und über unseren Köpfen schwebt eine weitere Ebene aus Beton. Da muss man sich nicht wundern, dass man links und rechts nicht viel anderes als Beton entdeckt.“ Die Tour durch den „Graugürtel“ startete am Rheinufer bei der Schumacher-Brücke. Von hier konnte man einst bis zum Rathaus-Center laufen, über eine „Rampe zur Treppe ins Nichts“. Der zweifelhafte Anblick wich sodann der Aussicht auf Ludwigshafens Würfelbunker, dessen tristes Grau vom Stadtwappen aufgehübscht wird.

Eine wahre Betonwüste bot sich den Teilnehmern auf der Rückseite des Rathauses, wo van der Buchholz zur spontanen „Bergetappe“ einlud. Eine Betontreppe machte den Aufstieg leichter – und erlaubte einen Blick auf die „Hochstraße zum Anfassen“. „Damals war das eine konzeptionelle Meisterleistung“, erklärte er. „Man versprühte den Optimismus, dass wirklich alles möglich ist.“ Im Hinblick auf eine autogerechte Stadt sei damals Pionierarbeit geleistet worden. Noch in 100 Jahren könnten die einst so modernen Hochstraßen stehen – „wären da nicht die Zehntausenden Fahrzeuge, die tagtäglich hinüberrollen.“

Bevor die Abrissbagger anrücken, wies der Stadtführer auf eine Besonderheit hin: Geradezu beeindruckend sei die Andockung der Parkdecks an das Hochstraßensystem. „Das hat richtig gut hingehauen“, wenngleich es ohne Netze unter den Straßen inzwischen nicht mehr geht – herabfallender Beton muss aufgefangen werden.

Überhaupt hat der Zahn der Zeit an Ludwigshafens baulichen Errungenschaften sichtlich genagt. Daher prägen Absperrgitter das Bild, etwa am Messplatz, dessen Parkplätze zu einem Großteil nicht mehr nutzbar sind. „Nur die Möglichkeit, ein Parkticket zu ziehen, ist erhalten geblieben“, stellte van der Buchholz fest. Dass man in Ludwigshafen derart viele Parkplatzwüsten vorfinde, biete indes einen Vorteil: „Der Rückbau wird einfacher.“ Die vielleicht beste Aussicht auf Beton ergab sich im Wirtschaftshof des Rathaus-Centers. Hier erhaschten die Teilnehmer einen Blick nicht nur auf mehrere Hochstraßen, die sich imposant über ihre Köpfe hinweg erstreckten, sondern zugleich auf die verschiedenen Ebenen der Ladenstraßen – mehr Beton geht nicht.