Ludwigshafen

Stadtrat Ehemaliger Grünen-Fraktionsvorsitzender will sich auf Landespolitik konzentrieren / „Zeitliche Belastung zu hoch“

Braun gibt nach 34 Jahren Mandat ab

Archivartikel

Ludwigshafen.Er geht keiner Kontroverse aus dem Weg und zählt zu den profiliertesten Kommunalpolitikern in Ludwigshafen. Für bundesweite Schlagzeilen sorgte das Grünen-Stadtratsmitglied einst mit dem Aufkleber „Atomwaffenfreie Zone“ am Pullover. Vom damaligen Oberbürgermeister Werner Ludwig (SPD) wurde Bernhard Braun deswegen 1985 wegen „unzulässiger politischer Meinungsäußerung“ im Stadtrat aus dem Sitzungssaal verwiesen. Auch wenn seine Klage vor dem Verfassungsgericht erfolglos geblieben ist, hält sich der Grüne weiterhin an sein Motto: Eine Zuspitzung von Argumenten ist in der politischen Auseinandersetzung erlaubt, sofern sie nicht beleidigend ist. Nach 34-jährigem Wirken im Stadtrat zieht sich der Landtagsabgeordnete jetzt aus der Kommunalpolitik zurück, er gibt morgen sein Stadtratsmandat ab.

„Die zeitliche Belastung ist mit meiner Tätigkeit in Mainz nicht mehr zu vereinbaren“, begründet der 60-Jährige den Schritt. Seit zwei Jahren ist er Chef der Grünen-Landtagsfraktion. In dieser Funktion gibt es großen Abstimmungsbedarf – auch mit den Partnern der Ampelkoalition SPD und FDP.

Spektakuläre Auftritte

Auf das Stadtratsmandat verzichtet der promovierte Politologe jetzt auch aus einem anderen Grund: Er will seinem Nachfolger (vermutlich Christian Brückmann) Zeit geben, sich für die Kommunalwahl 2019 einzuarbeiten. „Es ist Zeit für einen Generationenwechsel.“

Der Rheingönheimer zählt zu den Gründern der Grünen in Ludwigshafen und zog 1984 in den Stadtrat ein – mit einem spektakulären Auftritt. Dem damaligen SPD-Fraktionschef Edwin Grimm überreichte er ein rotes Tuch mit der Aufschrift „Der rote Filz“. Dessen CDU-Kollege Julius Hetterich bekam eine Bibel mit dem Hinweis auf christliche Grundsätze.

Später lag Braun oft mit dem früheren Kämmerer Wilhelm Zeiser (SPD) über Kreuz. Gleichwohl will er in der Politik „etwas bewegen“ und ist an sachlicher Arbeit orientiert. Dabei konnte er einige Erfolge verbuchen, wie etwa den Erhalt der Direktoren-Villa der Walzmühle, die nun das Bloch-Zentrum beherbergt. „Zudem haben wir Grüne weitere Einschnitte beim Nahverkehr verhindert und die Förderung von Kulturinitiativen durchgesetzt.“

In den vergangenen Jahren ist es in der Stadt etwas ruhiger geworden um Braun, der den Fraktionsvorsitz im Stadtrat 2012 an Hans-Uwe Daumann abgab. Sein schulterlanges Haar trägt er nur unwesentlich kürzer als vor Jahrzehnten, dafür tauschte er öfter Pulli gegen Sakko ein – etwa in den fünf Jahren als Landtagsvizepräsident. Seit 1996 gehört er mit einer fünfjährigen Unterbrechung dem Landtag an. Auch in den nächsten Jahren will er sich auf die Landespolitik konzentrieren.

Viel Zeit für Privates bleibt nicht. Seine Tochter mit den beiden Enkeln besucht er aber regelmäßig im US-Bundesstaat Texas. Eine ähnliche Familienkonstellation gibt es bei der früheren Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU). Braun: „Wir wollten uns immer schon mal in den USA treffen, bislang hat es aber noch nicht geklappt.“