Ludwigshafen

Stadtratssaal 80 Schüler beteiligen sich an Konferenz / Arbeitsgruppen zu Verfassung und Werten

Demokratie in Text und Film

Ludwigshafen.So jung und lebendig hat man den Stadtratssaal wohl selten gesehen: Zur Demokratiekonferenz im Rahmen des bundesweiten Programms „Demokratie leben!“ waren vier Schulklassen versammelt. Sie alle haben aktiv an Projekten mitgewirkt, die demokratische Werte stärken sollen. Eines davon heißt „Deine Verfassung“. „Wir wollen den Schülern das Grundgesetz nahebringen und sie für die Demokratie begeistern“, erklärte Projektleiter Mario Di Carlo. Dafür hat der 49-jährige Regisseur und Medienpädagoge die 80 jungen Menschen zwischen 13 und 18 Jahren einen Tag lang in der Schule besucht – inhaltlich begleitet durch den Rat für Kriminalitätsverhütung (KrimiRat) und dessen „Arbeitskreis gegen menschenverachtendes Verhalten“.

Das Jahr 2019 sei nach 30 Jahren Mauerfall, 70 Jahren Verfassung und 100 Jahren Frauenwahlrecht genau der richtige Zeitpunkt, betonte Di Carlo. Dass die „Demokratie-Arbeit“ auf eher unkonventionelle Weise von statten ging, lag nicht zuletzt an seinen Mitstreitern, die beide in Wort- und Textarbeit fest verwurzelt sind: Markus Becherer war 2014 und 2018 rheinland-pfälzischer Landesmeister im Poetry Slam, Team-Kollege Philipp Seiler alias Phriedrich Chiller hat den Titel seit Juni. KrimiRat-Vorsitzende Verena von Hornhardt war schon im Vorjahr an die Performance-Künstler herangetreten, um sie für das Projekt zu gewinnen. Herausgekommen sind in Form und Inhalt facettenreiche Ergebnisse, die im Stadtratssaal mit großem Applaus bedacht wurden.

Toleranz, Respekt, Zusammenhalt

Wie gut die Achtklässler der Ernst-Reuter-Realschule plus den doppelten Kontext von „Deine Verfassung“ verstanden haben, offenbarte der Textbeitrag von Danielle Alessia Faiella: „Kleines totes Inneres“ beschreibt auf berührende wie poetische Weise die eigene Stimmungslage. Neben der Arbeitsgruppe „Poetry Slam“ haben sich die Schüler, zu denen auch die 11. Klasse der BBS Technik 1 gehörte, mit moderner Medienproduktion beschäftigt. So haben sie Werte wie Toleranz, Respekt und Zusammenhalt auf Plakaten illustriert und mit humorvollen Trailern in Szene gesetzt. „Hollywood kann kommen“, lobte Markus Becherer das Engagement seiner Schützlinge.

Als zweites von knapp 30 geförderten Projekten stellte Rouven Zaman das „Demokratietagebuch“ vor. Der 19-Jährige absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Verein „Ludwigshafen setzt Stolpersteine e.V.“, der an das Schicksal verfolgter Bürger in der Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Dazu zeigte Zaman auf Schwarz-Weiß-Bildern, wie sich Ludwigshafen seit der „Machtergreifung“ 1933 verändert hatte. „Wiederholung abgelehnt“, lautete das Fazit.

Zum Abschluss der Demokratiekonferenz stellte sich Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD) den Fragen der Schüler. Kostenloser Nahverkehr, Cannabis-Legalisierung und „mehr dunkelhäutige Präsidenten“ standen dabei hoch im Kurs. 

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