Ludwigshafen

Kultur Ungleiche Paare lassen sich für landesweite Fotoaktion ablichten / Werbung zu mehr Offenheit und Toleranz

Dialog trotz Gegensätze

Archivartikel

Ludwigshafen.Gegensätzliche Paare im Dialog, verewigt auf einem professionellen Foto – zu dieser ungewöhnlichen Aktion hat Thomas Brenner Ludwigshafener Bürger eingeladen. In den Räumlichkeiten des Kulturvereins Fontäne konnten sich Menschen unabhängig von Alter, Herkunft und Überzeugung spontan fotografieren lassen – und das paarweise. „Dialog in Rheinland-Pfalz“ lautete das Motto. „Uns geht es darum, möglichst gegensätzliche Persönlichkeiten zusammenzubringen und sie zur Interaktion zu ermuntern“, beschreibt Mitorganisatorin Patricia Okello die Absicht.

Anknüpfungspunkte entdeckt

Gerade in einer Zeit, in der sich Menschen zunehmend zurückziehen, sei es wichtig, die Abkapselung zu durchbrechen und sich für die Lebenswirklichkeit des Gegenübers zu öffnen. Das kann mit höchst unterschiedlichen Sichtweisen einhergehen, wie gleich das erste Paar unter Beweis stellte. So kam im eigens hergerichteten Fotostudio in der Wredestraße der Fraktionsvorsitzende der Liberal-Konservativen-Reformer (LKR), Andreas Kühner, mit seinem Kollegen von der Linkspartei, Liborio Ciccarello, in Kontakt. Sie tauschten sich aus, entdeckten Unterschiede und Anknüpfungspunkte, bevor Brenner das ungleiche Paar ablichtete.

Was mit Hilfe der inszenierten Fotografie möglich ist, zeigte der Kaiserslauterer in Ludwigshafen schon einmal. Auf dem Höhepunkt der Migrationsbewegung nach Europa fotografierte er in der Innenstadt Geflüchtete, um ihnen im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht zu geben. Zudem sprach er auf der Straße Menschen an, die „Flüchtlinge willkommen heißen“. Daraus entstand eine Fotoserie mit mehreren Hundert Menschen, die sich auf Stellwänden mit ihren Statements wiederfanden.

Auch im November 2018 setzte Brenner ungewöhnliche Paare in Szene. „In Kusel landete die Hebamme mit dem Bestatter auf einem Foto“, erinnert sich Verena von Hornhardt, Geschäftsführerin des Rats für Kriminalitätsverhütung, die an der Fotoaktion mitwirkt. Diese bildet den Auftakt des umfassenderen Projekts „Gemeinsamkeiten beflügeln“, gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“.

Auch der Zeitpunkt einen Tag vor dem islamischen Fastenbrechen war kein Zufall: „Man muss nicht die gleiche Religionszugehörigkeit haben, um ins Gespräch zu kommen“, betont Okello, die sich als Mitbegründerin des Vereins Shareitiy für den interkulturellen Dialog stark macht. In die Welt des anderen einzutauchen, sei nicht immer einfach, selbst in einer durch Migration geprägten Stadt wie Ludwigshafen.

Als ein Mann im Deutschland-T-Shirt mit einem Geflüchteten das Atelier betritt, schießt Brenner das nächste Foto. Was mit den Motiven geschieht, hängt von der Eigendynamik ab, die die Aktion entwickeln soll. Social-Media-Kampagnen und Broschüren sind angedacht.