Ludwigshafen

Pop Michael Schulte im Ludwigshafener „Haus“

Die Poesie macht den Unterschied

Für die treue Fangemeinschaft des Eurovision Song Contest (ESC) war Michael Schulte nicht mehr als ein Posterboy auf der Plakatwand vergangener Misserfolge. Denn auch, wenn der 28-jährige Rotschopf all seine Kritiker mit einem herausragenden vierten Rang eines Besseren belehrte – der Song, mit dem der junge Mann aus Eckernförde nach Lissabon gereist war, wurde dennoch alsbald zur Realität: „You Let Me Walk Alone“, eigentlich als progressive Emanzipations-Ballade gemeint, bestätigte sich, weil Medienund Kurzzeit-Fans den Singer-Songwriter bald schon allein weitergehen ließen, wie der Titel es besagt.

Mechanismen der Branche

Die Verkaufszahlen gingen zurück, die Hallen wurden kleiner – die Wirkung aber gewann an Intensität. Nicht nur, weil Schulte die Mechanismen der Branche nach seinem dritten Rang beim Casting-Format „The Voice of Germany“ 2012 längst verstanden hatte. Nein, auch weil seine Musik emotional überzeugte – und Menschen aufrichtig bewegte. Was man auch über diese 90 Minuten im Ludwigshafener Kulturzentrum „das Haus“ sagen kann. Michael Schulte bestreitet seinen BASF-Querbe@t-Auftritt mit dem richtigen Material. Die vierköpfige Band im Rücken, vibriert der Schulte-Sound zwischen schunkelnder Lagerfeuer-Mentalität („The Night Is Young“) und psychedelischem Elektropop („Rock & Scissors“), satten Progressive-Anklängen („Rusted Blood“) und fragilen Bekenntnissen („Never Let You Down“). Souverän, unaufgeregt und auf den Punkt kommt Schultes Gesang daher.

Träumerische Eleganz

Das ist es, was in Ludwigshafen den Unterschied macht: Dass da einer steht, der die Intimität jubelnder Reihen nicht nur auskostet, sondern mit Leben zu erfüllen versteht. Der die Stille akustisch durchleuchtet („Thoughts“) oder das Glück seiner jungen Ehe einbezieht („End Of My Days“), um mit seinen Songs etwas von Substanz zu erzählen. Dass diese reichhaltige Kost in einem oberflächlicher gewordenen Musikgeschäft nicht jedem mundet, ist kein Geheimnis. Das ändert indes nichts daran, dass sich hier ein Pop-Poet von träumerischer Eleganz ausdrückt, der sein Publikum spielerisch und tief ergreift. mer