Ludwigshafen

Freizeit Marketing-Geschäftsführer zeigt Kritikern bei einem Rundgang die lebenswerten Seiten von Ludwigshafen

Eigene Stadt mal anders sehen

Ludwigshafen.Angefangen hat alles als sogenannte „Motztour“. Michael Cordier, Geschäftsführer der Lukom (Ludwigshafener Kongress-und Marketing-Gesellschaft mbH), erhielt zahlreiche Beschwerdebriefe. Um ihnen zu zeigen, wie lebenswert und facettenreich Ludwigshafen ist, lädt Cordier seit 2012 etwa drei- bis viermal im Jahr zu einer besonderen Stadtführung ein. „Ludwigshafen ist eine junge, dynamische, lebendige, noch nicht fertige Stadt“, betont Cordier. Eine Stadt werde allerdings dann lebenswert, wenn auch Bereiche wie etwa Wohnraum, Freizeit, Kultur, Bildung und Sport genügend zu bieten hätten. Bekannte, aber teilweise neue Seiten der Stadt möchte Cordier vorstellen und die Bürger dazu bewegen, Ideen einzubringen. „Nur zu motzen, reicht nicht.“

Viel Auswahl in den Regalen

Mit einer 60-köpfigen Gruppe hat Cordier sich am Samstag ein kleines Karree in der Innenstadt vorgenommen, dessen vier Stationen zu Fuß erreichbar sind. Los geht’s am Berliner Platz, von wo aus Cordier die Teilnehmer zunächst in die modernisierte Stadtbibliothek führt. Leiterin Tanja Weißmann stellt die wiedereröffnete Einrichtung sowie deren Möglichkeiten vor. Gleichzeitig beantwortet sie die Fragen der Besucher. „Wir legen viel Wert auf einen aktuellen Bestand“, erklärt sie. Daher stocke die Einrichtung die Anzahl an Büchern regelmäßig auf, und nehme im selben Zug Lektüre wieder aus dem Bestand.

Gegenüber der Bücherei hat der Kunstverein Ludwigshafen im Bürgermeister-Ludwig-Reichert-Haus sein Domizil. An der zweiten Station begrüßt Direktorin Barbara Auer die Teilnehmer. Der Verein sei 1928 gegründet worden, erklärt sie. Vier Ausstellungen pro Jahr finden dort statt, aktuell sind die Werke des Künstlerehepaars Ingrid Mwangi aus Nairobi und dem Ludwigshafener Robert Hutter zu sehen. Der Verein sei bereits dreimal unter die drei besten Kunstvereine Deutschlands gewählt worden, erzählt sie nicht ohne Stolz. Zudem gebe es die Kinder- und Jugendkunstschule unARTig, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiere.

Im Atelier der Künstlerin Nicoleta Steffan zeigt sie ihre eigenen Werke und die von anderen Künstlern. Leerstände durch den Schwund von Einzelhandel sind ein großes Thema in Ludwigshafen. Das lichtdurchflutete Gebäude im Bürgerhof hat die junge Frau in Latzhose mit Farbklecksen aus einer leerstehenden Fläche gestaltet. Los ging alles mit dem Kunstfestival „Wow“, bei dem verschiedene Adressen in der Innenstadt zum Zuge kamen. Die GAG hat die die Leerstände weiterhin übernommen. Nebenan nutzen etwa junge Skater den Raum, der allerdings im Juni abgerissen wird.

Die Sozial- und Theaterpädagogin Gabriele Twardawa und der Künstler Robert Skrobich wollen mit ihren Workshops im Adrem Jugendtheater Jugendliche von der Straße und Kriminalität fernhalten. Das Projekt ist gerade dabei, zum gemeinnützigen Verein zu werden, sagt Twardawa. Gleichzeitig seien sie auf Spenden angewiesen.

Bei den Besuchern kommt der ehemalige Mecker-Rundgang gut an. Anneliese Koethe nimmt häufiger an den Führungen teil. „Michael Cordier steckt viel Herzblut rein.“ Ursula Franke pflichtet ihr bei. „Ich bin sehr begeistert.“ Zum ersten Mal dabei ist das Ehepaar Maike und Rudolf Müller. Beide wollen andere Seiten von Ludwigshafen entdecken. „Ich möchte die eigene Stadt mal durch einen anderen Blickwinkel wahrnehmen“, sagt der Ludwigshafener Marvin Stiewing.