Ludwigshafen

Stadtmuseum Ausstellung „Eine Stadt und ihre Menschen in den 1950er Jahren“ endet / Programm mit Vortrag und Schlagermusik

Ein Ritt durch die Nachkriegszeit

Archivartikel

Ludwigshafen.Dass Frauen in den 50er Jahren nicht nur von Vespas und Urlaub auf Capri träumten, sondern auch davon, professionell zu fotografieren, zeigte die Sonderausstellung „Eine Stadt und ihre Menschen in den 1950er Jahren. Fotografien von Annedore Rieder“ mit ihren beeindruckenden Aufnahmen. Am Wochenende ging die Ausstellung mit einer Finissage im Stadtmuseum zu Ende. Klaus-Jürgen Becker, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs, hielt einen Bildervortrag zum Thema Nachkriegszeit, anschließend luden Stadtmuseum und Seniorenförderung zum Schlagercafé: Mit DJ Roland Koch, 50er-Jahre-Buffet und Kaffee aus Sammeltassen.

Die Besucher hatten ebenso noch einmal die Möglichkeit, einen Blick auf die Fotografien zu werfen. Draußen vorm Rathaus-Center war das Straßentheaterfestival im Gange. Vielleicht verbanden genau aus diesem Grund einige den Besuch mit einem Abstecher ins Museum. „Wir haben mit etwa 30 Leuten gerechnet, jetzt sind 200 gekommen“, sagte Regina Heilmann, Leiterin des Stadtmuseums.

Der Vortrag Beckers begann bei der „Stunde null“ am 20. März 1945, als die Rheinbrücke von der Wehrmacht gesprengt wurde. „Ohne den Zweiten Weltkrieg wäre Ludwigshafen heute eine Stadt aus der Gründerzeit“, sagte Becker. Aus dieser Epoche stammten auch die Rheinportale der Brücke, die bei der Sprengung zerstört wurden. Nachdem zuerst die Amerikaner kamen, gehörte Ludwigshafen ab Juli 1945 dann zur französischen Besatzungszone. Viele Menschen lebten damals noch in Luftschutzbunkern. Auf einem Bild, das die Lutherkirche zeigte, stand das Kirchenschiff noch. „Man hat aber aus den Steinen die Melanchthonkirche gebaut und nur den Turm stehen lassen“, so Becker.

Ab 1946 versuchte die Bevölkerung, sich mit dem Kino ein Stück heile Welt zu schaffen. Die Ludwigshafener schauten vor allem französische Kulturfilme und politische Dokus. 1948 brachte das Kesselwagenunglück bei der BASF nochmals Zerstörung. Doch nach dieser Katastrophe hielten Alliierte und Einwohner zusammen, um die Verletzten zu versorgen. Eine Figur des Wiederaufbaus ist Oberbürgermeister Valentin Bauer, von dem Becker ein Foto zeigte, wie er 1950 in Zivilkleidung in die Kanalisation hinabsteigt.

Behelfsbrücken und ein neuer Bahnhof prägten die frühen 1950er Jahre, auch ein Bild vom beliebten Treffpunkt Viadukt durfte nicht fehlen. Das Gefühl „Wir sind wieder wer“ kam auf, in Ludwigshafen wurde der Kleinwagen „Champion“ gebaut, Tankstellen hatten futuristische Pilzdächer. VW-Käfer parkten kreuz und quer am Berliner Platz, und im Bunker darunter befand sich ein Möbelgeschäft. Der Ebertpark wurde auf Hochglanz gebracht, die ganze Stadt kam zum Parkfest.

Nach dem Vortrag des Archivars folgte der gesellige Teil, mit Schlagern wie „Kriminal-Tango“ oder „Am Tag als der Regen kam“. Kge

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