Ludwigshafen

Stadtteil Süd Verein „Ludwigshafen setzt Stolpersteine“ feiert Abschluss des Projekts „Erinnerungen gemeinsam schaffen – building memories“

Eine Dokumentation gegen das Vergessen

Ludwigshafen.Im ehemaligen Ladenlokal in der Lisztstraße tut sich etwas. Der Verein „Ludwigshafen setzt Stolpersteine“ zeigte hier einen Monat lang seine Ausstellung „Stolpersteine – Was geht mich dieses Schicksal an?“. Nun fand in den Räumen die Finissage des Projektes „Erinnerungen gemeinsam schaffen – building memories“ statt, mit dem der Verein Schicksale von Opfern der NS-Diktatur ins Bewusstsein rufen will. In einer interaktiven Web-Dokumentation stellte Maurice Kuhn, Mitglied des Vereins Stolpersteine, Stationen aus dem Leben des Max Diamant vor. Zur Einführung richtete sich dessen Tochter Doris Diamant Siebert an die Gäste. Die Texte zur Dokumentation mit dem Titel „Das waren gewonnene Menschenleben“ verlasen Schüler des Henrich-Böll-Gymnasiums.

Max Diamant wurde 1908 in Lódz geboren, das damals noch zu Russland gehörte. Seine Familie war sozialistisch geprägt. Aufgrund des Ersten Weltkrieges und der damit einhergehenden politischen Veränderungen wurde er 1919 von seinen Eltern nach Mannheim geschickt, wo er in einer jüdischen Familie lebte, die der SPD angehörte.

Flucht vor Stalin-Diktatur

Schon im Kindesalter wurde Diamant politisch geprägt und musste sich an häufige Ortswechsel gewöhnen. Nach einer kurzen Zeit in Mannheim und Ludwigshafen zog er mit seinen Eltern in die damalige Sowjetunion, unter anderem nach Leningrad und Charkow. Doch schnell gewann er Eindrücke von der Stalin-Diktatur, die seiner Überzeugung widersprachen, so dass er 1927 zurück nach Mannheim floh.

Hier machte er sein Begabtenabitur und heiratete kurz darauf. Auch als Journalist war er aktiv, etwa für die „Sozialdemokratische Volksstimme“. Im Vordergrund stand für den damals 20-Jährigen der Kampf gegen die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP).

Die Bilder der Dokumentation zeigen den Wasserturm mit Hakenkreuz-Fahnen und einer Masseninszenierung Uniformierter davor, so wie Max und Anni Diamant das Mannheim der damaligen Zeit erlebten. 1933 wurden die ersten Kommunisten in Konzentrationslager verschleppt, doch Diamant konnte fliehen. In den folgenden Jahren lebten er und seine Frau in Frankreich und Spanien, mal als anerkannte Flüchtlinge, mal als Verfolgte.

Letztlich führte Diamants Weg nach Mexiko, wo Tochter Doris geboren wurde. 1962 kehrte die Familie erneut nach Deutschland zurück. Ihr letzter Wohnort vor der Verfolgung war das Haus in der Mundenheimer Straße 245 in Ludwigshafen. „Dort werden im kommenden Mai ebenfalls Stolpersteine verlegt. Die Finissage ist daher nicht nur ein Abschluss, sondern auch eine Vorausschau auf das nächste Jahr“, sagte Sprecherin Monika Kleinschnitger.