Ludwigshafen

Landgericht Prozess gegen 30-Jährigen wegen Körperverletzung

„Einsicht in Krankheit fehlt“

Ludwigshafen/Frankenthal.Am zweiten Prozesstag am Landgericht Frankenthal gegen einen 30-jährigen Mann aus Libyen, dem Körperverletzung, Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zur Last gelegt wird, berichtete ein Polizeibeamter von weiteren aktenkundigen Vorkommnissen: Insgesamt zehn Mal ist der Angeklagte in Erscheinung getreten. „Die Leute hatten Angst vor ihm“, so der Beamte. Ende 2018 randalierte der Angeklagte in Mutterstadt und riss vier Toiletten aus der Verankerung, Anfang 2019 stach er mit einer Gabel auf einen Bekannten ein. Wegen seiner Äußerung etwa zum Abschlachten von Ungläubigen veranlasste die Polizei gar eine Meldung an die Kriminalinspektion für Extremismus und Terrorismus.

Die Aussagen des behandelnden Facharztes deckten sich weitgehend mit den Aussagen seines Kollegen vom Montag: „Er war ein oberflächlich lächelnder Patient, auf der Station war er unproblematisch“, so der Facharzt. Doch da konnten seine Wahnsymptome medikamentös behandelt und somit auch unter Kontrolle gebracht werden, „die Wahndynamik ist zurückgegangen“. Der Facharzt bestätigte , dass der Angeklagte „zu keinem Zeitpunkt Einsicht in seine Krankheit hatte“. Auch die Medikamenteneinsicht sei nie da gewesen.

Faustschlag gegen Arzt

Schon bei der ersten freiwilligen Therapie im Oktober 2018, die nur fünf Tage dauerte und vom Patienten beendet wurde, hatten die Ärzte den richtigen Verdacht auf paranoide Schizophrenie. Eine Fremdgefährdung schlossen sie aber aus. „Nach fünf Tagen kann man noch nicht viel sagen, das war kein besonderer Fall“, so der Facharzt.

Bei der zweiten Therapie Anfang 2019 sah es dann schon anders aus: Die Aussage des Patienten, dass er Menschen abschlachten wolle, habe auf der Station zu massiver Verängstigung geführt. Nach Auslaufen des Unterbringungsbeschlusses sollte die notwendige Medikamenteneinnahme ambulant und unter Aufsicht weitergeführt werden. „Doch die ist nach wenigen Tagen gescheitert.“

Nach dem Faustschlag gegen einen Kollegen Ende April musste der Angeklagte für anderthalb Monate wieder in Therapie und wurde dann entlassen. Danach tauchte er offenbar immer wieder mal in der Klinik auf, nicht zur Therapie, sondern „um den Chef zu sprechen.“ Bei einem Besuch wurde bei dem Patienten ein 15 Zentimeter langes Messer gefunden. Der Mann wurde festgenommen.

Eine Prognose stufte der Arzt vor Gericht als ungünstig ein, das „ist ein sehr kritisch zu sehendes Bild“. Die Fluchterlebnisse hätten zudem die Symptomatik noch „befeuert“, so der Arzt. Selbstkritisch sagte er, „die Nachsorge hätte besser sein sollen“. Verteidigung und das Gericht suchen weiter nach einer Lösung für den Patienten, am 3. Februar wird das Urteil erwartet. 

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