Ludwigshafen

Innenstadt Berufsschüler stellen Schicksale in einem Container am Kulturzentrum „dasHaus“ vor

Erinnerung an NS-Opfer

Archivartikel

Ludwigshafen.Lebendig gemachte Geschichte – mitten in der Stadt: Wer den Vorplatz des Kulturzentrums „dasHaus“ passiert, blickt auf einen farbenfrohen Container. Doch hinter der bunten Fassade verbirgt sich ein Stück dunkler Stadtgeschichte. „Mit dem Geschichtslab wollen wir an Schicksale von Bürgern im Dritten Reich erinnern“, erklärte Gerhard Kaufmann, Vorsitzender des Vereins „Ludwigshafen setzt Stolpersteine“. 276 Steine hat der Verein im Stadtgebiet bisher verlegt, jeder steht für eine Leidensgeschichte während der NS-Zeit. Vier Geschichten werden im Container exemplarisch illustriert.

Auf Tonband aufnehmen

Um das Gedenken nicht nur den Älteren zu überlassen, hatte sich Kaufmann an eine Schule gewandt. Klar umrissen war der Auftrag an die Jugendlichen der Berufsbildenden Schule (BBS) Technik 2: „Gestaltet die Außenwände des Containers so, dass junge Menschen neugierig werden!“ Schnell hatten sich 19 Schüler zusammengefunden. Für die Abschlussklasse von Dietmar Lautenbach, Fachlehrer für Mediendesign und Medientechnik, war das Projekt willkommenes Training für die bevorstehende Abschlussarbeit. Heraus kam eine Fülle von Entwürfen, von edel bis futuristisch. Jugendlich sollte es sein – kein leichtes Unterfangen bei dem schwierigen Thema.

„Ins Schwarze getroffen“ hat mit ihrem Entwurf Ümran Yildirim. Von ihrem Design-Konzept floss ein erheblicher Teil in die Außengestaltung des Containers ein. Eine Backsteinmauer, eine Keith-Haring-Figur, ein QR-Code und der verwendete Graffiti-Stil waren laut Kaufmann am besten geeignet, die junge Zielgruppe anzusprechen.

Die zweiwöchige Projektdauer sei knapp bemessen gewesen, zumal sich alle Schüler zunächst in das Thema „Stolpersteine“ hätten einarbeiten müssen, sagte Ümran Yildirim. „Nachdem wir uns eine konkrete Geschichte angehört haben, war das Interesse geweckt“, verriet die 22-jährige Ruchheimerin. Über „viel Dynamik“ in der Klasse, die als Anerkennung 300 Euro erhält, freute sich auch BBS-Abteilungsleiter Karlheinz Böhles. Zudem bekommt jeder Mitwirkende ein Zertifikat.

Der auffällige Container soll bis Jahresende an seinem Standort bleiben. Das „Geschichts-Lab“ der „Stolpersteine“ im Innenraum ist bis zum 15. November zu sehen. Zudem gibt es einen weiteren Grund für einen Besuch: Im Container kann jeder mit seiner Stimme die Inschrift eines Stolpersteins auf Tonband aufnehmen – und damit die Erinnerung wach halten. 180 Bürger haben diese Möglichkeit schon genutzt. dtim

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