Ludwigshafen

Lokalgeschichte Mannheimer Gastwirt Carl Hornig kaufte im Jahr 1808 zwei Hektar Land von Franzosen / Versteigerung im Jahr 1820

Erster Ludwigshafener war ein „Alkoholiker“

Archivartikel

Ludwigshafen.Der erste Ludwigshafener war vermutlich ein Alkoholiker. Dennoch ist es dem aus Mannheim stammenden trinkfreudigen Gastwirt Carl Hornig zu verdanken, dass sich vor genau 200 Jahren mit der Versteigerung seines Nachlasses in der ehemaligen „Rheinschanze“ gegenüber Mannheim eine aufstrebende Industriestadt entwickelte. Mit dem Bau von Anlegestellen für Schiffe am Rhein schaffte er den Grundstock für die spätere Industriemetropole. Aus den Händen von Hornigs Witwe Katharina ging das Erbe schließlich an den Kaufmann und Weinhändler Johann Heinrich Scharpff (1754-1828) aus Speyer.

Gasthaus am Rheinufer gebaut

Die Ludwigshafener Stadtverwaltung würdigte 1903 in ihrem Band zum 50. Jubiläum dem vermutlich oft weinseligen Gastwirt zwei bemerkenswerte Zeilen aus ihren Akten: „Er war dem Trunke sehr ergeben und starb an den Folgen dieser Leidenschaft…“ Aber er war auch vorausschauend, als er am 4. Oktober 1808 zwei Hektar (acht Morgen) Ödland in der einstigen „Rheinschanze“, dem Mannheimer Brückenkopf auf Mundenheimer Gemarkung, vom französischen Handelshaus Fabrequettes (Lodève) für 2000 Francs kaufte, dort unmittelbar am Rheinufer ein gut gehendes Gasthaus und eine Wachtstube für französische Zollwächter baute und diese für 700 Francs im Jahr bis zum 1. Januar 1814 an die Franzosen verpachtete. Hornig sah seine Chancen vor allem am Rhein: Er installierte 1809 gebührenpflichtige Anlegestellen für Personen und Fracht, deren Ziele irgendwo rheinabwärts oder aber Mannheim waren – und sorgte damit für viel Ärger bei der Konkurrenz auf der anderen Rheinseite: Der Neckarkreis verbot den rechtsrheinischen Schiffern bei Androhung deftiger Strafen das Anlegen auf dem linken Rheinufer.

Hornig musste schließlich ab September 1811 das Erheben von Gebühren einstellen. Seine Witwe Katharina kam nach seinem Tod mit den für sie undurchsichtigen Geschäften ihres Mannes nicht zurecht und entschied sich, das gesamte Eigentum in der einstigen „Rheinschanze“ zu versteigern.

Handelswaren Wein und Tabak

Das passierte vor 200 Jahren – den Zuschlag erhielt am 27. Dezember 1820 auf Anraten seines Schwiegersohnes Philipp Markus Lichtenberger (1783-1842) der Kaufmann und Weinhändler Johann Heinrich Scharpff für 15 000 Gulden. Und damit ging’s für das spätere Ludwigshafen wirtschaftlich so richtig los: Obwohl die „Hafenstädte“ Speyer und Frankenthal mit allen Mitteln versuchten, die neue Konkurrenz gar nicht erst ins Rollen kommen zu lassen, setzte sich Scharpff mit einer Zweigniederlassung seines Handelshauses in der „Rheinschanze“ durch, vertrieb von dort aus vor allem Pfälzer Landesprodukte wie Wein und Tabak und führte über diesen im Entstehen begriffenen neuen Handelsplatz auch Luxusgüter wie Madeira-Wein ein.

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