Ludwigshafen

Agentur für Arbeit Beschäftigte der Behörde proben den Fall eines Amok-Alarms

Flucht führt unter Schreibtisch

Archivartikel

Ludwigshafen.Es ist ein versehentlich von Azubis ausgelöster Amok-Alarm, der im Oktober 2018 die Leitung der Agentur für Arbeit in Ludwigshafen beschäftigt. Auch wenn keine wirkliche Gefahr besteht: „Viele Mitarbeiter haben sich damals nicht richtig verhalten und einfach weitergearbeitet. Das hat uns zum Nachdenken gebracht“, wie der Vorsitzende der Geschäftsführung, Daniel Lips, dem „MM“ berichtet.

Tatsächlicher Vorfall in Bayreuth

Mit dem Krisenteam, dem neben der Polizei und dem Ärztlichen Dienst auch die Geschäftsführung des Jobcenters angehört, werden Notfallpläne überarbeitet, Checklisten angefertigt und eine offizielle Amok-Übung beschlossen. Gründe dafür sieht Markus Schmitt, Leiter der Polizeiinspektion 1 in Ludwigshafen, ausreichend. Von der Evakuierung einer Mundenheimer Schule im vergangenen Sommer bis hin zu einer Bombendrohung nahe des Jobcenters 2016 ergaben sich auch in Ludwigshafen Gefahrenlagen, auf die es sich vorzubereiten gilt. Daniel Lips stellt klar: „Wir proben hier den Ernstfall.“ Auf ein Großaufgebot hat die Polizei zwar bewusst verzichtet, aber als Lips um Punkt 14 Uhr den Amok-Alarm an seinem Computer auslöst, muss alles funktionieren. Nur Sekunden nach der Alarmierung, die samt Signalton auf den Bildschirmen sämtlicher Mitarbeiter erscheint, ruft Lips pflichtgemäß die Polizei – und harrt der Dinge.

In den anderen Geschossen wird derweil längst gehandelt. Wie im Notfallplan vorgesehen, verriegeln alle Mitarbeiter die Türen, begeben sich in die Ecken oder unter den Schreibtisch und versuchen, die Ruhe zu bewahren.

Später wird sich herausstellen, dass es auch bei diesem ernsten Test Kollegen gibt, die sich in ihren Büros unterhalten und stellenweise sogar auf Klopfen und Rufe hin öffnen – „doch genau deswegen machen wir diese Aktion hier“, so Lips.

Es sind lang empfundene 15 Minuten, bis der Geschäftsführer an die Gegensprechanlage tritt und nach einem langen Gong die Entwarnung gibt. Ungefähr zu ähnlicher Zeit wird gestern bekannt, dass es im Bayreuther Jobcenter am Mittag tatsächlich einen Messerangriff auf Mitarbeiter gegeben hat.

Polizei-Experte Markus Schmitt ist mit dem Ablauf der Amok-Übung in Ludwigshafen zufrieden. Er bekräftigt: „Es wird immer Situationen geben, in denen Sie einen Täter nicht aufhalten können, doch für alle anderen Fälle sind diese Pläne unersetzlich“, so Schmitt.