Ludwigshafen

Pop Gruppe Glasperlenspiel im Feierabendhaus Ludwigshafen

Flut der Kontraste

Archivartikel

An diesem Abend im Ludwigshafener Feierabendhaus liegt zwischen „Licht und Schatten“ nicht mehr als ein Wimpernschlag. Denn auch wenn sich die beiden Elektro-Popper von Glasperlenspiel die Flut der Kontraste auf ihrer gleichnamigen Platte zum Prinzip gemacht haben: Vor einer tanzenden Menge rauschen sie weit am eigenen Ziel vorbei. Und das mit Anlauf.

Das Problem liegt schon in den ersten 20 Minuten begraben. Die erste CO2-Kanone hat sich ihrer goldenen Pracht kaum entledigt, da erklingt jener Song, der für Fans schon zum Klassiker geworden ist: „Ich bin ich“. Die Wucht hinter dieser melodischen Selbstbestätigung kosten Carolin Niemczyk, Daniel Grunenberg und die gesamte Begleitband auch zünftig aus – um sich anschließend selbst zu erhöhen. Die folgende Anekdote über den feisten Plattenboss, der in Niemczyk wahlweise die Unschuld vom Lande oder das sexy Häschen sah, kommt zwar bodenständig daher, bleibt aber doch Fassade.

Weniger erfolgreich

Denn auch bei Glasperlenspiel ist längst nicht mehr alles Gold, was gerade eben noch authentisch glänzte. Vielmehr scheint der einst von ihm selbst gesetzte Trend über das Duo aus Stockach hinweggewandert zu sein. Die Erfolge des jüngsten Albums hielten sich in engen Grenzen, die beiden Chart-Stürmer von einst leben von den Hits vergangener Jahre und jagen ihrem eigenen Werberummel hinterher.

Weil sich Niemczyk und Grunenberg in Ludwigshafen vor allem auf zuverlässige Mitsing-Nummern wie „Echt“ oder „Geiles Leben“ verlassen, hat ein ausverkauftes Haus allen Anlass zum Feiern. Doch der Rest verwischt im zuckenden Stroboskoplicht zum angestrengten Mienenspiel im Schatten des Lichts. mer