Ludwigshafen

Soziales Verein Wildwasser kümmert sich seit genau 30 Jahren um Formen sexualisierter Gewalt

Frauennotruf immer öfter gefragt

Ludwigshafen.Die Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen, kurz Wildwasser und Notruf, feiert ihr 30. Jubiläum. In der Anlaufstelle in der Falkenstraße arbeiten zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen. „Wir sind Ansprechpartnerinnen für Frauen und Mädchen ab 14 Jahren, die die unterschiedlichsten Formen von sexualisierter Gewalt erfahren haben, sei es durch direkte Belästigung oder auf digitalem Weg. Auch Bezugspersonen und Sozialarbeiter kommen zu uns und können Beratung in Anspruch nehmen. Diese ist anonym und kostenlos“, sagte Mareike Ott, eine der beiden Hauptamtlichen. „Ich bin Psychologin, meine Kollegin Caroline Bonhage ist Sozialarbeiterin, wir ergänzen uns sehr gut.“

205 Betroffene ließen sich beraten

Im vergangenen Jahr haben 205 Frauen die Beratung in Anspruch genommen, 639 Gespräche hat es gegeben, vor Ort oder am Telefon. Das Beratungsangebot funktioniert nach der sogenannten Komm-Struktur, das heißt, die Betroffenen entscheiden selbstbestimmt, ob sie die Beratungsstelle aufsuchen möchten.

Ott: „Das Thema ist in den letzten zehn Jahren präsenter geworden, zum Beispiel durch kirchliche Zusammenhänge oder durch die Me-Too-Debatte. Den Frauennotruf gibt es in manchen Städten seit 40 Jahren, und erst jetzt wird das Thema auf Bundesebene behandelt. Daran sieht man, wie lange es gedauert hat.“ Bei sexuellen Übergriffen gehe es um Grenzverletzungen, um Ausüben von Macht. Eine Person möchte sich größer fühlen, als sie sei, um jemand anderen kleiner zu machen. Die Definitionsmacht, ab wann jemand sage, missbraucht worden zu sein, liege immer beim Betroffenen, nicht bei einer außenstehenden Person.

Im Rahmen des 30. Jubiläums der Vereinsgründung wird es drei Veranstaltungen im September geben. Der Mittwoch, 11. September, wird ein Tag der Vorträge sein. Um 8.30 Uhr wird die rheinland-pfälzische Ministerin Anne Spiegel im Dôme beim Kulturzentrum „dasHaus“ die Teilnehmer begrüßen, danach wird Professorin Silke Gahleitner einen Vortrag halten über Vertrauens- und Beziehungsarbeit nach sexualisierter Gewalterfahrung. Am Montag, 16. September, liest Autorin Bettina Wilpert um 18 Uhr aus ihrem Roman „Nichts was uns passiert“, die Lesung findet bei Wildwasser in der Falkenstraße 17-19 statt. Da laut Mareike Ott „auch das Feiern dazu gehört, um schlimme Erfahrungen zu bewältigen“, gibt es zum Abschluss am Freitag, 27. September, um 20 Uhr ein Konzert mit der Frauen-Soul-Band Schogettes.

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