Ludwigshafen

Geschichte Experte informiert über Würfelbunker / Bis zu 1400 Menschen gefasst

Für viele fast ein Wahrzeichen

Ludwigshafen.Zu einer Infoveranstaltung über den Würfelbunker an der Kurt-Schumacher-Brücke hat der Arbeitskreis Bunkermuseum eingeladen, der sich der Erforschung und Pflege der rund 40 Anlagen in Ludwigshafen widmet. Der Referent Patrice Wijnands vom Verein zur Erhaltung der Westwallanlagen (VEWA) wählte einen „ungewöhnlichen Zugang“ zum Würfelbunker, wie Klaus Becker, Leiter des Stadtarchivs, anmerkte. Auf der Grundlage eigener Vermessungen präsentierte der Niederländer, zuständig für die Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz, Einblicke in ein Bauwerk, das dank des Stadtwappens auf dem Dach so manchem Einwohner beinahe schon als Wahrzeichen gilt.

Teil des Führer-Sofortprogramms

„Die Nationalsozialisten haben nicht damit gerechnet, dass auf deutsche Städte einmal Bomben fallen“, erklärte Wijnands. Nachdem sich diese Annahme als falsch erwies, wurde 1940 ein „Führer-Sofortprogramm“ aufgelegt. Dies ging mit dem Bau unzähliger Bunkeranlagen im gesamten Reichsgebiet einher. Ludwigshafen wurde in die Luftschutzgefährdungsklasse 1 eingeteilt, die höchste. Allein in der Umgebung des Hauptbahnhofs entstanden vier Gebäude, darunter der als „Würfelbunker“ bekannte Reichsbahnbunker.

Damit die Menschen schnell von den Zügen in die Schutzräume gelangen, wurde ein vier Meter breiter Verbindungstunnel geschaffen. Wie es sich anfühlt, wenn Hunderte Menschen hineinströmen, veranschaulichte Wijnands mithilfe einer Computersimulation. Demnach hätten innerhalb von zehn Minuten 200 Personen auf jeder der sieben Etagen Platz gefunden – was das offizielle Fassungsvermögen von 800 übersteigt. Um Gedränge vorzubeugen, mussten während der Luftangriffe sperrige Gegenstände vor dem Zugang abgestellt werden. Entsprechende Hinweisschilder („Halt Kinderwagen“) sind noch heute erhalten. In mit Holzbrettern abgetrennten Abteilen überlebten im Bombenhagel ganze Familien. Kennzeichnend für den Würfelbunker ist ein Aufzug, dessen Führungsschienen allerdings im Erdgeschoss enden, sowie ein ausgeklügeltes Schleusensystem. Es sollte die Zivilisten vor Giftgas schützen, welches jedoch nie zum Einsatz kam.

Nach Kriegsende fristete der Würfelbunker eher ein Schattendasein: Ins Atomschutzprogramm während des Kalten Krieges wurde er nicht aufgenommen, in den 1990er Jahren geriet er zum Rückzugsort für Diebesbanden. Heute dient das obere Stockwerk, in dem einst Frischluft angesaugt wurde, als Taubenschlag. Den Abriss im Zuge des geplanten Stadtumbaus möchten Wijnands und Becker unbedingt verhindern: „Der Würfelbunker ist ein Zeitzeuge!“ dtim

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