Ludwigshafen

Hochschule Diversity-Tag befasst sich mit Studenten aus nichtakademischen Elternhäusern

Geschichten von Aufsteigern

Archivartikel

Ludwigshafen.An der Ludwigshafener Hochschule (HS) sind 67 Prozent der Studenten sogenannte Bildungspioniere – sie stammen also aus Familien, in denen beide Elternteile nicht studiert haben. Das geht aus einer Studiengangsbefragung hervor. „Viele der Studierenden hier haben kein klassisches schulisches Abitur gemacht, sondern haben sich die Qualifikation fürs Studium durch eine Ausbildung erworben“, sagte Petra Schorat-Waly gestern beim Diversity-Day (Tag der Vielfalt), der sich dem Thema Bildungsaufstieg widmete. „Das ist politisch von der Hochschule gewollt“, so die Diversity-Managerin der HS.

„Für das Wort Studienpionier gibt es einige andere Worte wie Arbeiterkind, Studi aus nichtakademischer, aber auch bildungsferner Familie. Letzteren Begriff lehne ich ab“, sagte Jessica Heuser von der Stabstelle Studium und Lehre in ihrem Vortrag. Als Beispiel eines Pionierlebens hatte sie ihr eigenes gewählt. „Ich war die Erste in meiner Familie, die studiert hat, und zwar Linguistik. Begonnen habe ich an der Realschule, obwohl ich eine Empfehlung fürs Gymnasium hatte.“

Das gehe vielen Jugendlichen aus Nicht-Akademikerfamilien ähnlich. Nur 20 Prozent schafften den Sprung an die Uni, in Akademikerfamilien seien es 75 Prozent bundesweit. Oft habe das finanzielle Gründe. Das Einkommen der Eltern sei zu gering, um den Nachwuchs zu unterstützen, außerdem schreckten viele davor zurück, BAföG zu beantragen, da sie nicht mit Schulden ins Berufsleben starten möchten. Hinzu kommt der Habitus an der Uni, denn Sprache und Umgangsformen in akademischen Kreisen könnten einschüchternd wirken. „Über Stipendien denken die meisten gar nicht nach. Sie halten sie für unerreichbar, auch wenn sie in der Ausbildung gute Noten haben“, sagte Heuser.

Aus der Pflege ins Studium

Der Vorteil bei Studienpionieren sei die Praxisnähe, denn für sie ist es selbstverständlich, neben dem Studium arbeiten zu gehen. So fließt viel Lebenserfahrung ins Studium mit ein. In der anschließenden Podiumsdiskussion berichteten Pioniere von ihren Erfahrungen. „Das mit Mathe könnte zu schwierig werden“ – diesen vielzitierten Satz bekam Angelika Scarale zu hören, die zuerst die Hauptschule, dann die Werkrealschule besuchte und nach der mittleren Reife eine Ausbildung in der Pflege machte, die schließlich den Weg zur HS ebnete.

„Das Studium war am Anfang ganz weit weg, auf Umwegen bin ich zum Fach Pflegepädagogik gekommen. Das ist manchmal schwer, wenn man eine Spätschicht hat und am nächsten Morgen zur Vorlesung muss“, sagte Angelika. „Die Stationsleitung unterstützt mich, doch meine Eltern verstehen nicht, warum ich studiere.“ kge