Ludwigshafen

Otto-Braun-Museum Autorin Edith Brünnler liest aus neuem Buch

Geschichten von Lüge und Täuschung

Ludwigshafen.„Awwer saach nix“, sagt man in der Pfalz, wenn man redselig über Privates anderer Leute spricht, dabei aber diskret und verschwiegen bleiben will. Edith Brünnlers neuster Kurzgeschichtenband heißt – wie auch die erste Geschichte selbst – genau so. Die schrägen, komischen Figuren darin führen ein Leben in Doppelmoral. Was sie wirklich tun und sagen, steht im krassen Widerspruch zu dem, was sie denken. Im Otto-Braun-Museum hat die Autorin ihr neues Werk bei einer Lesung vorgestellt.

Leere Worte und Halbwahrheiten, Täuschung und Lüge: Davon erzählen Brünnlers Geschichten. Und das alles auf Pfälzisch. Brünnlers schrille, exzentrische Protagonistin, ein echtes Ludwigshafener Urgestein, erreicht mit der falschen, aufgesetzten Höflichkeit, die sie an den Tag legt, nicht immer das, was sie will. Weil sie sich bescheiden gibt, es aber nicht ist, hat sie oft das Gefühl, zu kurz zu kommen.

Pfälzische Rap-Lieder

Die schrille Oma glaubt: „Isch wes alles“, wenn sie am Abend „Wer wird Millionär“ schaut. Brünnlers Hauptfigur wertet sich mit Halbwahrheiten auf, manchmal gelingt es ihr sogar, sich selbst zu täuschen – zuweilen mit urkomischen Zügen: „Do is grad a Quiz geloffe. Ich hab drei Minudde noi gezeppt, do war scho alles klar. ,Isch wääß, wer’s war!’ hawwisch gsaat. Die Marget hot mich ganz speddisch agegrinst“, erzählt die Frau. „Dann wääscht mehr wie die Bolizei. Des is Aktezeiche XY … ugelest“, habe die Freundin geantwortet und den Irrtum aufgedeckt.

Brünnlers Geschichten erzählen auch von dem Wunsch, jemand Besonderes zu sein. Und man ist mehr, wenn man mehr hat, so glauben selbst die einfachen Leute. Am Ende der Geschichten bleiben jedoch alle wer sie sind, weil die anderen sich nicht täuschen lassen.

Seit Brünnler aufgehört hat zu arbeiten, hat sie mehr Zeit zum Nachdenken, wie sie erzählt. In „Awwer saach nix“ gelingt es ihr, schwere Themen leicht zu erzählen. Die Figuren wirken so komisch, weil sie entlarvt werden. Der Band enthält auch Rap-Lieder: Auch hier fängt Brünnler aktuelle Themen ein. Sei es das eilige, glamouröse, aber doch entleerte Weihnachten, das schon im September beginnt, oder die Digitalisierung durch Roboter wie „Alexa“. jug