Ludwigshafen

Gedenken 23 Stolpersteine in vier Ludwigshafener Stadtteilen gesetzt / Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus

Goldene Mahnung im grauen Pflaster

Ludwigshafen.253 sogenannte Stolpersteine liegen quer durch Ludwigshafen im Straßenpflaster. Vor deren ehemaligen Wohnhäusern erinnern sie an Opfer des Nationalsozialismus. Am Montag kamen 23 neue Gedenksteine hinzu, und zwar in Oggersheim, Hemshof, Mitte und Süd. Verlegt wurden sie von Gunter Demnig, der die Aktion in den 1990er Jahren initiiert hatte. Sie kam so gut an, dass Demnig sie bereits in 24 Ländern Europas verbreitet hat – ausgestattet mit einem gepolsterten Knieschutz, denn er verlegt stets mehrere an einem Tag.

Der 28. Oktober wurde nicht zufällig als Datum ausgewählt, denn es ist der Jahrestag der sogenannten Polenaktion, bei der 166 Ludwigshafener Juden im Jahre 1938 verschleppt wurden. Die ersten vier Steine wurden in Oggersheim in der Schillerstraße verlegt und sind der Familie Herz gewidmet. Das Programm wurde gestaltet von Schulen aus den Stadtteilen, in Oggersheim war es eine Klasse der Integrierten Gesamtschule Ernst Bloch. „Wir haben uns in den letzten Wochen im Unterricht mit Judenhass beschäftigt“, sagte eine Schülerin und las eine Geschichte vor, die aus diesem Anlass entstanden war. Ein Mädchen möchte in einer Zeitmaschine in die Zukunft reisen, landet jedoch in der Nazizeit. Durch ein Versehen fällt ihr jüdischer Ausweis aus ihrer Tasche, worauf sie Diskriminierungen erlebt. Auch musikalisch hatten die Schüler etwas vorbereitet, denn während Gunter Demnig die Stolpersteine in den Boden ließ, ertönte „The Sound of Silence“.

Auf den Steinen sind die Namen von Leo, Julia, Kurt und Marta Herz zu lesen. Monika Kleinschnitger vom Verein „Ludwigshafen setzt Stolpersteine“ las die Geschichte der Familie vor. Leo Herz, geboren 1875, stammte aus Ruchheim und hatte in der Schillerstraße von 1902 bis 1937 ein Einzelhandelsgeschäft für Samen und Landprodukte. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg. Die Boykottaktionen der NSDAP ab 1933 ruinierten das Geschäft, Leo Herz starb 1937. Seine Frau Julia, sein Sohn Kurt Siegfried und dessen Ehefrau Marta schafften es, in die USA zu fliehen, wo noch heute ihre Enkel leben.

Angehörige angereist

„Ihr habt die Zeremonie besonders gestaltet“, so Kleinschnitger an die Schüler gerichtet. „Wir brauchen Jugend, die das Wissen aufarbeitet und weiterträgt.“ In Oggersheim waren es die ersten Stolpersteine überhaupt. „Sie mahnen, dass solche Gräueltaten nicht wieder vorkommen dürfen“, sagte Ortsvorsteherin Sylvia Weiler. „Die Steine mögen uns erinnern, so dass wir hier kurz innehalten, um an das Schicksal der Familie Herz zu denken.“

Demnig und Kleinschnitger machten sich kurz darauf auf den Weg zur nächsten Stelle, denn der Zeitplan war straff. Von manchen Familien, denen ein Stein gewidmet wurde, waren Angehörige angereist – aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien und Israel.

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