Ludwigshafen

Ludwigshafen Innenstadt fast vollständig zerstört, aber Turm der Lutherkirche kaum beschädigt

Hauptbahnhof und Postamt sind Trümmerruinen

Archivartikel

Ludwigshafen.Der Großangriff im September 1943 gilt den Hafenanlagen Ludwigshafens, getroffen wird aber vor allem die Innenstadt. Sie existiert danach quasi nicht mehr. Straßenzüge werden in Schutt und Asche gelegt, etwa die Bismarck- und die Ludwigstraße. „Dabei sind vor allem normale Wohn- und Geschäftshäuser zerstört worden – aber weniger die repräsentativen Bauten der Stadt“, sagt Klaus-Jürgen Becker, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs. Mit zwei Ausnahmen: Hauptbahnhof und Hauptpost.

Die dreischiffige, imposante Halle des Bahnhofs mit einer Höhe von 11,6 Metern und den mächtigen Kuppeln ist bis auf die Grundmauern abgebrannt. Nicht mehr viel übrig geblieben ist von der 1847 im Neo-Renaissancestil errichteten Anlage. Trümmerruinen sind auch die Nebengebäude zum Winterhafen hin, der sich östlich des heutigen Ludwigsplatzes erstreckt.

Der Wiederaufbau geht indes nicht so schnell – aus zwei Gründen. Lange wird eine Verlegung des Kopfbahnhofs überlegt. Und erst ein Kredit der Stadt an die Bahn sorgt dafür, dass 1954 der neue Hauptbahnhof mit dem zweistöckigen Flachdach und großen Fensterfronten eröffnet wird. Lange bleibt er aber nicht stehen. Bereits 1969 wird er aufgegeben und an den Westrand der Innenstadt verlegt, so dass auf dem Gelände das 15-stöckige Rathaus samt Einkaufszentrum gebaut wird.

Alte Steine für neues Gotteshaus

Völlig zerstört durch das Bombardement wird auch die dreistöckige Hauptpost aus dem Jahr 1895 auf dem Eckgrundstück zur Bismarckstraße direkt neben dem Bahnhof. Auch dies ist ein stadtbildprägender Bau mit markanter Glaskuppel und reich verzierter Fassade. Nach dem Krieg wird die Hauptpost in einfacher Bauweise an gleicher Stelle wieder errichtet, aber in den 1990er Jahren durch einen vierstöckigen Neubau ersetzt.

Andere repräsentative Bauten in der Innenstadt sind hingegen bei dem Großangriff kaum beschädigt worden, so etwa die Gebäude der ehemaligen Königlich bayerische Filialbank in der Kaiser-Wilhelm-Straße und die Höhere Mädchenschule (heutige Berufsschule) in der Bismarckstraße. Auch der Bürgerbräu in der Ludwigstraße wird kaum in Mitleidenschaft gezogen. So kann der große Versammlungssaal in der Nachkriegszeit als Tagungsort für die Stadtratssitzungen genutzt werden. Der frühere Oberbürgermeister Werner Ludwig (SPD) und der CDU-Fraktionschef und spätere Bundeskanzler Helmut Kohl liefern sich dort erbitterte Redeschlachten.

Stehengeblieben ist bei dem Angriff auch der 61 Meter hohe Turm der Lutherkirche. Das Kirchenschiff ist vergleichsweise wenig zerstört – etwa im Vergleich zur katholischen St. Ludwig-Kirche. „Ein Wiederaufbau wäre damals sicherlich möglich gewesen“, erklärt Becker. Aber die Verantwortlichen der protestantischen Kirche wollen nicht so lange warten, bis ihnen wieder ein Gotteshaus in der Innenstadt zur Verfügung steht.

Deshalb werden die alten Steine der Lutherkirche für einen Neubau in der Nachbarschaft verwendet. Die kleine Melanchthonkirche wird in einer schlichten Bauweise schnell hochgezogen. Der Lutherturm bleibt indes stehen – als Zeichen des Mahnmals und zum Gedenken an das Leid des Zweiten Weltkriegs.

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