Ludwigshafen

Oggersheim Rund 100 Gäste finden bei Jugendtag Angebote von Graffity-Sprayen bis Tanzen

Heimat der Hip-Hop-Kultur

Ludwigshafen.Es riecht nach Lösungsmittel und Lack. Auf dem Garagentor glänzt ein neues Graffiti-Bild in frischer Farbe. Graffiti-Künstler und Diplom-Sozialarbeiter Philipp Himmel steht zwischen Spraydosen und gebrauchten Sprayköpfen und zieht die Konturen eines bunten Papageis nach. Dabei spielt er mit Schatten und Lichtreflexen. Graffiti ist Teil der Hip-Hop-Kultur, und ein ungeschriebenes Gesetz der Szene lautet: Man soll sein Wissen und Können weitergeben. Mit den Jugendlichen hat Himmel beim Sommerfest der Jugendfreizeitstätte Ernst Bloch das Kunstwerk ans Tor gesprayt.

Dass die Hip-Hop-Kultur als Lebensstil in die Jugendfreizeitstätte eingezogen ist, daran hat sich dessen Leiter Martin Groh längst gewöhnt. Das Freizeitangebot am fünften Jugendtag steht aber nur zum Teil im Zeichen des Hip-Hop. Rund 100 junge Gäste schwärmen durch die Räume des Jugendtreffs – sonst sind es im Tagesdurchschnitt höchstens 50. Einige davon sind Stammgäste. Die meisten probieren die Workshops aus und entscheiden dann, ob sie öfter kommen wollen.

Neben dem Graffiti-Workshop und einem Hip-Hop-Dance-Kurs bietet die Freizeitstätte Turniere im Torwandschießen und Tischtennis sowie eine Rallye mit ferngesteuerten Elektroautos an. Die Gäste können am Pool chillen, grillen, die Disco besuchen, alkoholfreie Cocktails genießen und Preise in der Tombola gewinnen. „In den vergangenen Wochen stand eine Box am Tresen. Die Jugendlichen haben die Zettel mit ihren Vorschlägen fürs Sommerfest dort reingeworfen“, sagt Martin Groh, Leiter der Jugendfreizeitstätte.

Die jungen Gäste sind mit Begeisterung bei der Sache. Die zwölfjährige Albana kommt von der Tanzfläche. Sie nimmt normalerweise nicht am wöchentlichen Hip-Hop-Dance-Training teil, weil sie den Fußballsport bevorzugt. Den Treff sieht sie als einen Ort, um alte Bekannte zu treffen. „Die Betreuer sind gechillt und tolerant. Sie respektieren unsere Meinung“, erklärt sie.

Gabriele Selvaggio gehörte vor einigen Jahren noch zum festen Stamm. Der heute 23-jährige gelernte Elektrotechniker kommt nur noch sporadisch in die Jugendfreizeitstätte, um die Mitarbeiter zu treffen. Mit Martin Groh und seinem Team hat er viel erlebt. Das schweißt zusammen. „Ich habe inzwischen eine Art Freundschaft aufgebaut“, sagt er: „Die Betreuer gehen sehr freundschaftlich mit den Jugendlichen um. Sie begegnen ihnen auf einer emotionalen Ebene und gehen mit der Zeit und den Trends. Dadurch haben sie einen guten Draht zu den jungen Leuten.“

Rat in allen Lebenslagen

Selvaggio schätzt die Spontaneität im Freizeittreff. In der Einrichtung konnte er sich vom Alltag erholen und sich Rat holen, wenn er ein Problem hatte. „Das Team berät die Jugendlichen in allen Lebenssituationen und bei den Alltagsproblemen“, erzählt Gabriele: „Martin hatte immer ein offenes Ohr und war bereit zuzuhören. Er ist ein herzensguter und offener Mensch.“

Die Pädagogen bemühen sich darum, dass die Jugendlichen im Treff respektvoll miteinander umgehen. Es herrscht das Prinzip „Integration statt Ausgrenzung“. Bei Konflikten kommt es schon mal vor, dass Groh vermitteln muss. Der Treff kooperiert für die Hausaufgabenhilfe mit anderen Einrichtungen und Schulen, berät intensiv beim Übergang von Schule zum Beruf und nimmt auch seinen Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung sehr ernst. „Wenn man den Kindern mit Wertschätzung, Respekt und auf Augenhöhe begegnet, kommt das immer zurück“, sagt Groh.