Ludwigshafen

Natur Margarete Durand und Helmut Eirich führen Gruppen über die Parkinsel / Viele Neu-Ludwigshafener nutzen Angebot

Heimatkunde für Zugezogene

Von unserem Mitarbeiter

Andreas Dauth

Ludwigshafen. Ist die Parkinsel überhaupt eine Insel? Unter anderem dieser Frage widmete sich eine früh morgendliche Exkursion. Auch die in Resten noch erhaltene Auwald-Vegetation, die anmutige Baumlandschaft und der traumhafte Blick auf den Rhein waren Themen des Rundgangs, den die beiden Referenten Margarete Durand und Helmut Eirich in Zusammenarbeit mit der Lukom anboten – und bei dem sie viel zu erzählen hatten.

Welche Wildkräuter sind essbar, wie entstand der Rhein und wie erklärt sich der Pegelstand? All diese Fragen wurden von den beiden erfahrenen Referenten beantwortet. Die regelmäßigen Führungen sind aus einer privaten Initiative erwachsen. Durand und Eirich machten eine spezielle Ausbildung, die sie mit einer Prüfung abschlossen, und erarbeiteten sich das nötige Fachwissen Stück für Stück.

Die Gruppe an diesem Morgen konnte unterschiedlicher nicht sein. „Wir sind vor drei Jahren aus Argentinien zum Arbeiten in die Stadt gekommen, leben seitdem hier und wollen mehr über unsere neue Heimat erfahren“, erklärten drei junge Frauen ihre Teilnahme. Über das Internet hatten sie die Führung gefunden. Auf die gleiche Weise waren auch Anne Knauf und Jan Deubel auf das Angebot gestoßen. Beide kamen vor einem Jahr in die Stadt. „Wir sind neu hier, haben im Internet diese Führung gefunden und wollten einfach mal erfahren, was es hier so gibt“, erklärte der 35-jährige Deubel. Besonders die Pegeluhr und die Frage, wie die Wasserstände zusammenhängen, hatten ihn fasziniert.

Die Führung begann und endete an der 1901 eröffneten Pegeluhr. Die Stadt hatte einmal fünf Häfen. Der erste – der Luitpoldhafen – wurde 1893 gegraben und trennte die Parkinsel tatsächlich als Insel ab, so Eirich. Im Bereich der alten Kammerschleuse wurde dann später der Damm aufgeschüttet. Somit sei die Parkinsel nur noch eine Halbinsel. Im Laufe der Wanderung erfuhren die Teilnehmer auch, dass um die Jahrhundertwende die Parkinsel zu Mundenheim gehört habe, welches damals noch selbstständig gewesen sei. Schon zu dieser Zeit habe es Investoren gegeben, die dort bauen wollten. Das sei aber verhindert worden und so blieben die vielen alten Bäume erhalten. Dazu zählt die eindrucksvolle lange Platanenallee.

Wissen aus der Bibliothek

Auch über die fast ausgestorbene Schwarzpappel informierten die Referenten. Ein mehr als 100 Jahre alter Baumstumpf sei noch übrig, der tatsächlich wieder ausschlage. Zwei neue Setzlinge seien probeweise eingepflanzt worden. Die Teilnehmer lernten von Margarete Durand daneben zahlreiche Wildkräuter kennen – wie Bärlauch, Lärchensporn, Buschwindröschen oder Scharbockskraut. Das interessierte Manfred Keppler mit 83 Jahren. „Ich liebe die Natur, Wind und Wetter,“ gestand der leidenschaftliche Segler aus Frankenthal. Wie wichtig diese Frühjahrsblüher auch für die Bienen seien, wurde ebenfalls verdeutlicht.

„Wir erarbeiten uns für die Führungen einfach unser Wissen aus Bibliotheken und dem Internet“, erklärte Eirich. So wusste der Rentner enorm viel über Geologie, die Entstehung des Rheins, des Rheingrabens und auch über die Wassergewinnung der Stadt. Bei der Frage ob jetzt Chlor dem Trinkwasser zugegeben werde oder nicht, mussten beide Führer jedoch passen. Das sei dann doch zu speziell und eher ein Thema für eine eigene Führung der Technischen Werke Ludwigshafen (TWL), so Eirich.