Ludwigshafen

Innenstadt Bewohner beziehen Caritas-Förderzentrum St. Johannes und St. Michael mit einem Jahr Verspätung

„Hier ist alles schön modern“

Ludwigshafen.Stefan Bechstein sitzt in seinem Rollstuhl neben dem Bett und lässt den Blick durch das moderne Zimmer schweifen. An einer Wand stehen einige Umzugskartons aufeinander gestapelt. „Das ist alles, was ich mitgebracht habe. Ich brauche nicht viel“, sagt der 55-Jährige. Gemeinsam mit 19 Mitbewohnern ist Bechstein in dieser Woche in sein neues Zuhause eingezogen: das Caritas-Förderzentrum St. Johannes und St. Michael in der Kaiser-Wilhelm-Straße. Die 20 Bewohner mit Multipler Sklerose (MS) aus dem alten Zentrum St. Michael in der Wörthstraße haben am Montag den Anfang gemacht, bis Mittwochabend sollten die 39 Menschen mit psychischer Erkrankung aus der Bexbacher Straße folgen.

„Der Umzug ist hervorragend verlaufen“, sagt Bechstein, der zwar nicht an Multipler Sklerose leide, seit einem Verkehrsunfall jedoch auf den Rollstuhl angewiesen sei. „Die Pflegekräfte haben das alles wirklich gut gemacht.“ Dabei war der 55-Jährige anfangs sogar etwas skeptisch, als es hieß, dass ein Umzug bevorsteht. „Ich hatte nichts gegen das Haus in der Wörthstraße. Jetzt fühle ich mich hier aber wirklich wohl“, sagt er nach seinen ersten Eindrücken. Das Zimmer sei geräumig und hell. „Außerdem ist hier alles schön modern.“

Keime verhinderten Umzug

Rund 14 Millionen Euro hat der Neubau des Caritas-Förderzentrums gekostet. Ursprünglich hätte er bereits im August 2018 bezogen werden sollen. Wie mehrfach berichtet, hatten jedoch Keime in den Wasserleitungen den Termin immer wieder hinausgezögert. „Wenn man dem Ganzen etwas Positives abgewinnen will, dann kann man sagen, dass sich die Bewohner langsam an das neue Umfeld gewöhnen konnten“, sagt Einrichtungsleiter Michael Röser. Denn alle seien in den vergangenen Wochen und Monaten schon mindestens einmal im Haus gewesen, und hätten sich umschauen können. „Dennoch gilt es jetzt erstmal anzukommen und sich zu akklimatisieren“, sagt er. „Die Aufgabe der nächsten Wochen ist es, das schöne neue Gebäude mit Leben zu füllen.“

Der Umzug sei reibungslos verlaufen. „Das Ganze war aber auch sehr gut vorbereitet“, so Röser. Ein Großteil der Einrichtung sei schon vorher in das Haus gebracht worden. „Was jetzt noch folgte, waren etwa 30 Prozent des Gesamtvolumens“ – und natürlich die Bewohner. 40 Appartements für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind im fünfgeschossigen Bau zur Straße hin untergebracht, dazu vier Kurzzeiträume.

Im Erdgeschoss befinden sich Cafeteria, Großküche und eine Tagesstätte für 80 Personen, die an diesem Donnerstag den Betrieb aufnimmt. Die 20 Wohnräume und ein Kurzzeitzimmer für Menschen mit MS befinden sich im Anbau auf der Rückseite mit zwei Stockwerken.

Dort wird künftig auch Ralf Haberkorn leben. Der 60-Jährige freut sich, dass der Umzug nun endlich durch ist. „Ich fühle mich sehr gut“, sagt er. Ein bisschen aufregend und ein bisschen anstrengend sei der Tag gewesen, doch jetzt könne er die neue Heimat genießen. In den nächsten Tagen steht Kistenauspacken auf dem Programm. Denn der Stapel von Ralf Haberkorn ist mindestens doppelt so hoch wie der seines Zimmernachbarn Bechstein.

Zum Thema