Ludwigshafen

Baudenkmal „KulTurm“ verbirgt hinter zwei Meter dicken Stahlbeton-Mauern viele Überraschungen

Hochbunker – Hotel – Feierfläche

Archivartikel

Ludwigshafen.Der ehemalige Wasserturm, den die Familie Albert vor zehn Jahren als Gastronomiebetrieb „KulTurm“ übernahm, ist ein Turm voller Geschichten. Im Ersten Weltkrieg gebaut, diente er als Luftschutzbunker mit den zwei Meter dicken Stahlbeton-Wänden, bevor er zum Turmhotel Bürgerbräu wurde.

Wer bei Firmenfeiern, Tagungen oder privaten Festen der Alberts in die Lounge und die Hochzeitsgalerie eingeladen ist, ahnt nicht, dass die oberen Stockwerke ein historisches Denkmal sind. „Auf die Industriestadt Ludwigshafen sind besonders viele Bomben gefallen. Der Turm mit dem Grundriss eines perfekten Achtecks ist einer von 24 Hochbunkern in der Stadt“, sagt Bernd Albert beim Rundgang durchs Gebäude: „Seitdem unsere Renovierungen vor 18 Jahren begonnen haben, verändern wir am fünften und sechsten Stock nichts. Die 7,5 Quadratzimmer großen Bunkerzimmerchen, mit einer Kochzeile und zwei Dreierhochbetten ausgestattet, waren für eine Familie geplant. Der Turm ist für maximal 13 000 Menschen gebaut. Bis zu 20 Menschen kamen in einem Zimmerchen unter.“

Im achten Stock befinden sich noch die alten Klack-Klack-Schalter, Türen, Wände und das Bad im Original. Nach dem Krieg ließ sich der Bunker als Archiv nutzen, bevor er privat gekauft und als Turmhotel Bürgerbräu genutzt wurde. „In der zerbombten Stadt war man froh mit dem, was man hatte. Im fünften und sechsten Stock richtete man unter anderem ein rosarotes Zimmer und ein Blumenmusterzimmer ein. Die beiden Hotelzimmer sind im Original erhalten“, erzählt Albert.

Die Technischen Werke reagierten 1953 auf die Wasserknappheit im Stadtteil und stockten den Turm um einen 2,4 Millionen-Liter-Tank auf. Zusammen mit dem Gräfenau-Wasserturm sorgte er für Druck in den Leitungen. Beide Türme gingen erst 2010 vom Netz. Seitdem sorgen Pumpen für den Wasserdruck.

Die Architektur des Turms ist durchdacht: Gleich zwei Spiraltreppen führen nach oben. Das sollte Stau- und Paniksituationen im Turm vermeiden, wenn die Menschen in das Gebäude flüchteten. Eine enge Wendeltreppe führt auf die Panoramaplattform über dem Wassertank. Die Vollverglasung erlaubt einen Blick aus 50 Metern Höhe bis nach Mannheim. Große Luken lassen in den 13 Meter hohen Wassertank blicken und erinnern daran, dass die Technischen Werke wöchentlich Wasserproben nahmen.

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