Ludwigshafen

Landgericht Beweisaufnahme bringt weitere Vorfälle ans Licht

„Ich wollte mit dem Messer jemanden schlagen“

Ludwigshafen/Frankenthal.Die Dritte Strafkammer am Landgericht Frankenthal hat sich viel Zeit genommen, um die Details einer Körperverletzung, Sachbeschädigung und den Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte darzustellen. Die werden einem in Libyen geborenen 30-Jährigem zur Last gelegt: Da ihm die Polizei in einer zivilrechtlichen Sache nicht helfen konnte, demolierte er im Dezember 2018 in Ludwigshafen einen Streifenwagen und konnte wegen heftiger Gegenwehr nur von vier Polizeibeamten gefesselt werden. Der Vorwurf der Körperverletzung stammt von einem Vorfall vom April 2019, als er einen behandelnden Arzt in der Stadtklinik Frankenthal angriff und mit einem Faustschlag verletzte.

Psychische Erkrankung

„Er hat die Taten nicht geleugnet, es gibt Gründe dafür“, führte sein Verteidiger aus. Denn der Angeklagte leide unter einer psychischen Erkrankung, die Taten könnten unter einem Zustand der Schuldunfähigkeit gestanden haben. Die Beweisaufnahme brachte indes noch andere Dinge ans Licht.

Auf dem Weg zur Klinik hatte ihn die Polizei einmal aufgegriffen und bei ihm ein langes Küchenmesser gefunden: „Ich wollte mit dem Messer jemanden schlagen“, so der Angeklagte. Trotz richterlichen Unterbringungsbeschlusses konnte die Staatsanwaltschaft keinen Mordversuch erkennen und stellte das Verfahren ein.

Der Arzt, Opfer des Faustschlages, sagte auch als Sachverständiger aus und erklärte das „Schlagen mit dem Messer“ als Versuch, in psychotischer Erregtheit jemandem Schmerzen hinzuzufügen und zu verletzen: „Das Schlagen ist ein Stechen, das Messer diente dem Angriff.“ In einer Selbstbewertung stufte der Arzt es als Mordversuch ein.

„Er würde Stimmen hören, er habe Angst vor Zombies, er müsse Personen töten und Ungläubige abschlachten“: In den Behandlungsprotokollen finden sich zahlreiche allgemein formulierte oder auch klare Aussagen des Angeklagten. Nach Angaben des Arztes ist kaum etwas über die Krankheit bekannt, „die nicht behandelbar, aber umso gefährlicher ist“. Der Angeklagte ist zur Zeit auf richterlichen Beschluss in einer Klinik untergebracht.

Nach der überraschenden Wende am ersten Prozesstag werden am Mittwoch weitere Zeugen und Sachverständige kurzfristig gehört. Die Gutachterin und die Verteidigung erhalten weitere Unterlagen zur Einsicht, die das Gericht bisher nicht ausgehändigt hatte: „Uns war die Bedeutung der Akte nicht klar“, so die Richter. Das Urteil wird Anfang Februar erwartet. 

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