Ludwigshafen

Wirtschaft Diskussion über den digitalen Wandel in den Unternehmen / Auftakt zu neuer Veranstaltungsreihe

„Ideen der Mitarbeiter wichtig“

Ludwigshafen.Drei ganz verschiedene Unternehmen, ein radikaler Ansatz: Chefs auf der mittleren Ebene werden eingespart, weil sich Teams selbst organisieren. So werden sie flexibler und können schneller auf Kundenwünsche eingehen. „Heute löst sich vieles auf in der Arbeitswelt“, erklärt Hanno Burmester, Organisationsentwickler aus Berlin. Er berät sonst Firmen beim Aufbrechen verkrusteter Strukturen. Auf Einladung der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Ludwigshafen (WEG) sprach er über den digitalen Wandel der Arbeitswelt.

Stärken erhalten

Unter dem Titel „Unternehmen neu denken“ hatte diese zum Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe in die Räume des Kunstvereins geladen. WEG-Geschäftsführer Klaus Dillinger und Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck begrüßten die Gäste. „Vieles ist verhandelbar. Das Normale und Althergebrachte wird weniger“, lautet Burmesters Kernbotschaft. Angst davor müsse man aber nicht haben, denn diese Veränderungen folgen anderen Trends, die das Internet hervorgebracht hat.

Für die rund 100 Unternehmer und Führungskräfte aus der Region dürften die Erkenntnisse nicht völlig neu gewesen sein. „Wir haben seit unserer Gründung 1871 praktisch alle industriellen Revolutionen mitgemacht“, betonte Thomas Paulus von der KSB in Frankenthal. Jetzt feile der Pumpenbauer am Geschäftsmodell für das digitale Zeitalter. Dabei gelte es, die Stärken zu erhalten.

„Die Innovationskultur muss gelebt werden“, betonte René Chassein, Vorstandsmitglied der Pfalzwerke. Silodenken und Betriebsblindheit hätten ausgedient. Es zähle die absolute Kundenzentrierung. Dafür müsse man schneller und flexibler auf Anforderungen reagieren. Wichtig seien die Ideen der Mitarbeiter. Innovationen hole man sich auch von außen über ein Netzwerk von Existenzgründern – „Menschen, die für Themen brennen, die wir vielleicht gar nicht im Blick hatten.“

In der Diskussion wurde oft die Notwendigkeit betont, bei Veränderungen die Mitarbeiter mitzunehmen. Sie stehen in direktem Kontakt mit dem Kunden, kennen seine Wünsche und müssen diese umsetzen. Dabei, so Burmester, können flache Hierarchien hilfreich sein.

Mitunter kommt der Wunsch nach Veränderung sogar aus der Belegschaft. So habe ein 20-Mann-Team eines Großkonzerns zwei Ebenen höher darum gebeten, die freigewordene Chefstelle nicht mehr zu besetzen. Das Ergebnis ist eine Abteilung, die sich selbst organisiert und flexibler ist als andere. Ein französischer Automobilzulieferer ging einen Schritt weiter. Dort bedienen 21 Mini-Fabriken jeweils einen Kunden. Die Vorgabe: „Macht den Kunden glücklich, egal wie.“ Noch radikaler ist eine Denkfabrik in Berlin-Kreuzberg. Dort setzen Mitarbeiter jedes Jahr in einem Workshop ihr Gehalt selbst fest – anhand des Feedbacks der Kollegen und dem Wertbeitrag im Unternehmen. hbg