Ludwigshafen

Klassik Staatsphilharmonie mit Mahlers vierter Sinfonie

Im Zentrum der Idylle

Wie bitte? „Provokateure“? Klingt zunächst ein bisschen merkwürdig als Überschrift für eine Aufführung der vierten Sinfonie von Gustav Mahler – deren Einzelsätze Vortragsanweisungen wie „Bedächtig“ oder „Sehr behaglich“ haben und die häufig wie ein Traum von schönen Kindertagen anmutet. Indessen wurde diese Sinfonie, in abgespeckter Form, auch von den revolutionären Neutönern um Arnold Schönberg aufgeführt.

Und daran knüpft der deutsche Dirigent Klaus Simon in seinem 2007 publizierten Arrangement der Vierten an. Es soll ein Kondensat sein, eine Reduktion aufs Wesentliche. Simons Fassung wird beim zweiten „Modern Times“-Konzert in Ludwigshafen vorgestellt, in der ästhetisch ebenfalls aufs Wesentliche reduzierten Friedenskirche. Michael Francis dirigiert zum ersten Mal in seiner Eigenschaft als neuer Chef die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

Die ist an diesem Abend freilich bloß ein 14 Köpfe schmaler Rumpf-Klangkörper. Was das volkstümliche, ländlich österreichische und schlendernd wienerische Element in Mahlers Märchensinfonie betont, ohne die Abgründe und Doppelbödigkeiten zu verleugnen. Auch nicht im Finale, einem kleinen Ausflug in den Himmel, der nach einer Textvorlage aus „Des Knaben Wunderhorn“ mit bäuerlich-anthropomorphen Bildern ausgemalt wird. Denn man hört bei Francis und der Staatsphilharmonie: So schön wie Mahlers Traum vom Jenseits wird das „echte“ Jenseits niemals sein.

Überzeugender Gesang

Zudem hört man in Ludwigshafen jede Menge Stimmführer-Brillanz, etwa von Julius Kirchers manchmal fast (im positiven Sinn) ein wenig primadonnenhafter Klarinette. Ganz zu schweigen vom Gesang im „Wunderhorn“-Lied des Finales: Die noch junge Katharina Ruckgaber gibt den Sopran-Engel im hellen Kleid mit schlank geführter Stimme auch im moderaten Kirchenhall verblüffend textverständlich. Da weht beinahe ein Hauch von Lisa della Casa – der Gesangssolistin in der legendären, von Fritz Reiner dirigierten Plattenaufnahme der Vierten aus den späten 1950ern.

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