Ludwigshafen

Hochstraße Nord Stefan Dolch formuliert erneut strittige Thesen zu einem Bauvorhaben in der Stadt / Eigenes Prüfsystem entwickelt

Ingenieur zweifelt an Abriss

Ludwigshafen.Bauingenieur Stefan Dolch, der Ende vergangenen Jahres bereits Alternativpläne zum Metropol-Projekt am Berliner Platz vorgestellt hatte, hat nun einen Vortrag darüber gehalten, wie und warum die Hochstraße Nord weiter genutzt werden könne. Ein Abriss sei nicht vonnöten, meinte Dolch. Ausgesucht hatte er sich für die Veranstaltung den Flur des Walzmühl-Centers. 25 Interessierte fanden sich dort ein. Dolch, ehemaliger Leiter eines Konstruktionsbüros bei der BASF, zitierte aus Richtlinien des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Diese Richtlinien seien auch bei der Begutachtung der Hochstraße Nord angewendet worden. Doch was eine Brücke tatsächlich halte, seien nicht die Richtlinien, sondern die Physik, sagte Dolch. Noch vor 40 Jahren habe ein durchschnittlicher Lkw 20 Tonnen gewogen, heute habe sich das Gewicht verdoppelt. Mit der heutigen Belastung habe man beim Bau der Brücke Ende der 1950er Jahre nicht gerechnet.

Die Schäden an der Hochstraße sind kaum zu übersehen, an manchen Stellen sind rote Netze gespannt, die bröckelnde Betonteile abfangen sollen. Dolch sagte, dass die marode Außenhülle und die innere Standfestigkeit nicht voneinander abhängig seien. Stahl sei „dauerfest“, unabhängig von der Belastung. Die Hochstraße könne die gestiegene Frequenz aushalten. „Die Statiker wenden Richtlinien an, weitab von der Physik“, behauptete der Ingenieur. Ein Grund, die Hochstraße zu erhalten, ist für ihn der Kostenfaktor: „Die Kosten explodieren, inzwischen rechnet man mit 529 Millionen Euro. Und die Kasse der Stadt ist leer.“ Der Ingenieur hat ein eigenes Prüfsystem entwickelt, auf das er ein Patent angemeldet hat.

Ein Besucher meinte indes, dass Normen auf Erfahrungen basieren und dass man einen Brückeneinsturz wie in Genua auf keinen Fall riskieren solle. Außerdem seien die Schäden an den Spanngurten nachgewiesen. Dolch forderte, einzelne Stellen erneut zu prüfen.

Der Stadtvorstand weist seit langem darauf hin, dass Abriss und Bau einer neuen Stadtstraße die einzig wirtschaftliche Lösung darstellte Eine Sanierung der bestehenden Hochstraße Nord sei von Fachleuten geprüft und für unmöglich gehalten worden.