Ludwigshafen

Gesundheit Samuel Koch berichtet über seine Reha-Erfahrungen bei Symposium der BG-Kliniken

„Innere Kraft wiederfinden“

Archivartikel

Ludwigshafen.Über medizinische Möglichkeiten, die Menschen nach Unfällen oder schwerer Krankheit wieder fürs Leben fit machen, haben sich beim zweiten Reha-Symposium der BG Kliniken knapp 600 Ärzte, Physio- und Ergotherapeuten sowie Psychologen im Pfalzbau ausgetauscht. Was es bedeutet, wenn nichts mehr ist, wie es einmal war, darüber spricht Samuel Koch, der am heutigen Samstag 32 Jahre alt wird. Seit seinem missglückten Sprung über ein fahrendes Auto in einer „Wetten dass …?“-Sendung von 2010 ist er von den Schultern abwärts querschnittsgelähmt.

Individuelle Hilfen nötig

Koch kommt direkt von einer Probe des Mannheimer Nationaltheaters, wo er demnächst in der Inszenierung „Warten auf Godot“ zu sehen ist. In jenem Saal, wo üblicherweise Konzertmusik erklingt, gleitet er fast lautlos mit seinem Hightech-Rollstuhl.

Bei seinem Auftritt geht es nicht um den Erfolg als Schauspieler und Buchautor, sondern darum, wie er seine bis heute fortdauernde Reha erlebt hat. Mit trockenem Humor erzählt Koch kleine Erlebnisse. Und darin blitzt auf, wie unterschiedlich Menschen mit einem Schicksalsschlag umgehen. Beispielsweise ein Mann, der bei einem Baumsturz seine Bewegungsfähigkeit verlor und seitdem Wut als Antrieb empfindet. Koch, dem einst passionierten Kunstturner, hat hingegen geholfen, das Warum im Leben zu ergründen – „weil man dann mit dem Wie besser zurechtkommt“.

An das Fachpublikum richtet er die Botschaft: „Bitte keine überstülpenden Klassifizierungen!“ Denn jeder Reha-Patient empfinde anders. So manche Ratschläge, die für andere gut gewesen sein mögen, habe er als „Schläge“ empfunden. Kochs Credo: Reha sollte individuell unterstützen, jene „innere Kraft“ zu finden, die für das Leben danach unerlässlich ist. „Ich habe davon inzwischen mehr als genug – muss eher überlegen, wie ich sie kanalisiere.“

Zum Abschluss gibt er eine Kostprobe aus seinem neuen Buch „Steh auf Mensch“, in dem er mit dem Neurobiologen Gerald Hüther aufzuspüren versucht, was durch Krisen trägt. Dabei assistiert der wissenschaftliche Leiter der BG Klinik Ludwigshafen, Henry Kohler, in ungewohnter Rolle als Buch-Halter und Seiten-Wender. Für seine lakonisch-witzig vorgetragenen und doch so bewegenden „Anekdoten“ erhält Koch begeisterten Applaus.

Dass Reha-Medizin neue Wege beschreitet, spiegelt beim zweitägigen Symposium das Programm mit 13 Sitzungen und 30 Workshops – auch außerhalb des Pfalzbaus. Dazu gehört ein Ausflug in ein „Laser-Schieß-Kino“: Zielübungen mit Laserwaffen fördern bei Menschen mit Verletzungen im Schulterbereich Koordination wie Konzentration. Und was inzwischen technisch möglich ist, offenbart eine Industrieausstellung – von „echt“ aussehenden Gliedmaßenersatz bis zu augengesteuerten Kommunikationshilfen.

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