Ludwigshafen

Bildung Kulturabend am Böll-Gymnasium widmet sich der vermeintlich "Schönen neuen Welt"

Irritierende Kunstwerke

Ludwigshafen.Wie kritisch und doppelbödig junge Menschen die Welt in faszinierenden Kunstwerken hinterfragen, zeigten Schüler des Heinrich-Böll-Gymnasiums bei ihrem Kulturabend. Unter dem Motto "Schöne neue Welt - Träume, Wirklichkeiten, Utopien" präsentierten sie Performance, Musik und Kunst.

Bewusst verunsichernd ist schon das Bild, mit dem die Gymnasiasten für den Kulturabend warben. Eine schöne, junge Frau in weißem, langen Kleid schmiegt sich an eine rosa Blüte, im Hintergrund das blaue Meer. Doch die Collage der Zehntklässlerin Veronika Scherbakaus wirft auf den zweiten Blick Fragen auf: Ist die Hälfte des Gesichts mit Falten oder Schmutz bedeckt? Ist die Blume ein fauliger Fisch? Hält sich da ein kleiner blauer Mensch an der Blüte fest? Ist das Meer nicht stumpf und fleckig?

Schweine mit menschlichen Zügen

Selina Bosbach (19) aus der Abiturklasse hat mit vorgezeichneter Skizze, Radiernadel und Farbe einen Plexiglasdruck angefertigt: Auf diesem attackieren drei Schweine mit menschlichen Zügen einen Menschen. "Reiche Menschen können zu Schweinen werden und die Armen fressen", meinte die junge Künstlerin im Gespräch mit dem "Mannheimer Morgen".

Verwirrend ist auch die Collage von Nina Greib aus der zehnten Klasse. Da rennt ein riesiges Schaf, im Dinosaurierkörper, auf Schlittschuhen durch einen kahlen, kranken Wald. Bemerkenswert sind auch die architektonischen Arbeiten wie die "Black Beach Bar" von Eric, Jonathan und Marc, die perfekte Palmen-Idylle vorgaukelt, bis auf den viel zu hohen Tisch.

Beim darstellenden Spiel, für das es eine AG gibt, wollten die Gymnasiasten ausdrücken, dass der Mensch im Vordergrund steht, nicht die Religion. Mit Calypso-Klängen wurden die Gäste von Bellissimo, dem Chor der fünften Klassen, begrüßt. Später spielte die Bläser-AG "Contredanse" von Larry Clark.

"Ich will bei meinen Schülern die freie Fantasie fördern, und dass sie beim utopischen Denken das Hoffen auf eine faire Gesellschaft nicht verlieren", betonte Kunstlehrerin Bettina Carvalho.

"Die jungen Akteure können zu recht stolz sein", lobte der Erste Vorsitzende Bernd-Ulrich Günther vom Förderverein "Freunde des HBG". Schüler, Lehrer und der Förderverein kooperieren bereits zum dritten Mal, um Schülern eine Bühne für ihre Werke zu geben.