Ludwigshafen

Pfalzbau Senioren nehmen unter Anleitung von Theaterpädagogen an Zirkusprojekt teil / Aufführung mit Tanz und Akrobatik

Jonglieren gegen Schlaflosigkeit

Archivartikel

Ludwigshafen.Mit über 60 Jahren noch mal Neues wagen – dieser Herausforderung stellten sich neun Damen und ein Herr beim Zirkustheater-Workshop in den Pfalzbau-Bühnen. Seit Januar probten sie mit der Workshopleiterin, Regisseurin und Theaterpädagogin Katrin Skok aus Frankfurt, unterstützt von der Zirkuspädagogin Karin Kinz aus Darmstadt. Da wurden Teller gedreht, Tücher geschwungen, rote Nasen aufgesetzt, und hin und wieder flog sogar ein Diabolo. Aus Übungen und Improvisationen entstand ein kleines Stück.

Schauplatz war eine Ludwigshafener Eckkneipe. Eine angekündigte Mieterhöhung auf 1100 Euro ließ die Wirtin (toll gespielt von Ursula Laqué) und ihre Stammgäste um die Zukunft des Lokals bangen. Da kam die rettende Idee: „Wir machen Zirkus!“ Für ihre rund einstündige Darbietung „Zum lahmen Esel – Allez Hopp!“ auf der Probebühne 2 des Pfalzbaus erhielten sie viel Applaus.

Das Publikum war begeistert von der Spielfreude der zehn Akteure, die mit viel Charme und Überzeugung glänzten und ihr Gelerntes präsentierten. „Es war wunderbar und ganz ungewöhnlich. Sie hatten keinen Stress und haben ganz locker gespielt. Das war eine schöne Präsentation“, schwärmte Bernhard Wadle-Rohe (65) aus Ludwigshafen. „Sie haben eine unwahrscheinlich tolle Leistung gebracht. Die Regisseurinnen haben die Persönlichkeit der Workshopteilnehmer brillant herausgearbeitet und so hat sich das Stück ergeben. Das finde ich genial“, meinte Margarete Asheuer-Staiger (71) aus Ludwigshafen.

Zuschauer gehen mit

„Zum lahmen Esel – Allez Hopp!“ gab den szenischen Rahmen für allerlei Kunststücke. Als Manege diente ein großer Teppich. Die Damen mimten eine Pferdetruppe mit Staubwedel über ihren Köpfen haltend. Sehr schön war der Auftritt des Zirkusdirektors Ionel Chirita – der Hahn im Korb – als Seiltänzer. Dabei tänzelte er auf einem Strich auf dem Boden, so, als müsse er in der Luft balancieren. Zur Musik des „Kasatschok“ klatschten die Zuschauer begeistert mit. Dabei flogen Bälle und Devil Sticks. Die Wirtin des Lokals spielte eine Bauchtänzerin im weiß getupften schwarzen Kleid mit weißem Kragen. Bevor das Publikum das Abschlusslied „Volare“ gesanglich begleitete und dazu bunte Tücher flogen, gab der Zirkusdirektor mit seinen neun Damen noch ein Violinkonzert.

Wiederholung im Herbst geplant

„Ich habe schon öfter beim Mannheimer Nationaltheater mitgespielt und wollte mit dem Zirkus etwas Neues lernen. Ich bin Geigenlehrer und habe mit der Zirkusartistik und Clownerie eine neue Seite von mir kennengelernt“, erzählte Ionel Chirita (63) aus Mannheim. „Wenn ich nachts nicht mehr schlafen kann, stehe ich auf und jongliere, bis ich wieder müde bin“, sagte Petra Hasslöcher (58) aus Ludwigshafen, deren Leben jetzt mit Zirkus ausgefüllt ist.

Gefördert wurde der Workshop von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur und der Theatergemeinde Ludwigshafen. „Das sind sehr aktive Senioren. Sie waren sehr spielerisch. Einfach toll! Wir hoffen auf eine Wiederaufnahme im Herbst“, meinten die Regisseurinnen Skok und Kinz.