Ludwigshafen

Reaktionen Pläne der Verwaltung stoßen bei Grünen, FDP, LKR und Linken auf Unverständnis / Harsche Kritik an Baudezernent Klaus Dillinger (CDU)

„Katastrophe und Blamage für die Stadt“

Ludwigshafen.Die Nachricht von der Verzögerung der beiden Hochstraßen-Projekte hat im Stadtrat eine emotionale Diskussion ausgelöst. Insbesondere die kleineren Fraktionen fühlten sich von der Verwaltung schlecht informiert und äußerten harsche Kritik an Baudezernent Klaus Dillinger (CDU). „Was wir hier heute erfahren, ist für uns neu“, sagte Grünen-Fraktionschef Hans-Uwe Daumann, nachdem Dillinger, Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) und Kämmerer Dieter Feid (SPD) von den umfangreichen Schäden an der Hochstraße Süd und den daraus folgenden Konsequenzen berichtet hatten. „Das ist eine Katastrophe und eine Blamage für die Stadt“, ereiferte sich Daumann. „Jeder wusste, welche Bedeutung die B 37 im Hinblick auf das Projekt Abriss Hochstraße Nord und Bau einer Stadtstraße haben würde. Warum hat man nicht schon früher Untersuchungen durchgeführt?“

Der Bau einer Brücke unter der Brücke, wie es die Planung vorsieht, sei „keine kleine Affäre“, die zwischendurch zu erledigen sei. Die Hochstraßen seien planerische Fehler gewesen, die man loswerden müsse, da sonst in 30 Jahren die gleichen Probleme auftauchten.

Thomas Schell (FDP) forderte angesichts der neuen Gemengelage ein Umdenken. So müsse eine Alternative zur Stadtstraße noch einmal geprüft werden, etwa eine versetzte Hochstraße. „Die Vorstellungen der Stadtspitze lösen bei uns Entsetzen aus“, sagte Schell. „Herr Dillinger ist der falsche Mann am falschen Ort.“ Der Stadtrat bewillige Millionenbeträge, die letztlich versandeten. Nun wieder eine hohe Summe in die Hand zu nehmen, die gerade mal eine Ertüchtigung des Bauwerks für 30 Jahre bedeute, sei zu kurz gedacht. Andreas Kühner (LKR) sprach von einem Affront seitens der Stadtspitze, dass die Medien zuerst informiert worden seien, und Sabine Gerassimatos (Linke) sah „noch viele offene Fragen“.

Weniger kritisch nahmen SPD und CDU die Pläne auf. „Uns war bewusst, was uns erwartet. Das Ausmaß der Schäden wurde jetzt erst bekannt, und in den vergangenen Jahren wurde bereits viel in die Instandsetzung investiert“, sagte Udo Scheuermann (SPD). „Wir sind froh, dass das Thema besprochen wird, erwarten aber bald eine klare Kostenermittlung.“ Bei der Finanzierung müsse die Quote von 85 Prozent Übernahme von Bund und Land – wie bei der Hochstraße Nord – erreicht werden. Peter Uebel (CDU) sagte, dass bei den Vorhaben Eile geboten sei, um die Sicherheit zu gewährleisten. „Einen Vorfall mit Personenschäden wollen wir nicht erleben.“ Auch er bilanzierte, dass Hochstraßen „einfach Mist“ seien.

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