Ludwigshafen

Soziales Stadt startet Umfrage unter Eltern und will eigene Angebote verbessern

Kaum noch Zeit für die Familie

Archivartikel

Ludwigshafen.„Die Zeit von früher existiert heute nicht mehr, als ein Familienmitglied zu Hause blieb“, berichtet Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg: „Heute sind meist beide Elternteile berufstätig.“ Auch verweist sie auf die vielen Alleinerziehenden in der Stadt. Und sie spricht von dem „hohen finanziellen Druck“, etwa für die Wohnung. Zeitkonflikte sind heute in viele Familien zum Problem geworden. „Wir haben immer Zeitdruck“, so Reifenberg. Das gehe zu Lasten der gemeinsam verbrachten Familienzeit. „Wir wollen, dass Eltern wieder mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen“, so die Forderung von Reifenberg. Deshalb will die Stadt eine Familienbefragung durchführen, um bessere Angebote schaffen zu können.

Das Problem der Familienzeit ist nicht neu, sie war bereits Gegenstand einer Studie des Landes Rheinland-Pfalz, die ergab, dass Ludwigshafen einerseits der Förderung von Familien eine hohe Bedeutung beimisst, aber gleichzeitig auch Verbesserungsbedarf besteht. „Es gibt noch Luft nach oben,“ so Lars Heene, Leiter des Stadtjugendamtes. Die Stadt verfüge über ein gutes Netzwerk von Einrichtungen und Institutionen, doch „die Angebote sind vielen Eltern zu wenig bekannt.“ Das Angebot müsse effizienter gestaltet werden.

Bürger sollen Anregungen geben

Dafür würde er gerne wissen, was in der Familie heute wichtig ist. Wie sehen Familien das städtische Angebot? Das sind nur zwei Fragen einer vielschichtigen Bedarfsanalyse, bei der die Stadt die Eltern mit einbeziehen will und so eine direkte Beteiligungsmöglichkeit schaffen möchte. Etwa 17 000 Familien und Alleinerziehende sind in Ludwigshafen gemeldet, und mit diesen möchte die Stadt in Dialog treten, um mit deren Anregungen die Angebote besser abstimmen zu können. Das geschieht mit einer Online-Befragung, die vom 30. August bis zum 4. Oktober läuft.

An der Ausarbeitung der Fragen war Susann Schmidt vom Stadtjugendamt beteiligt. „Das war eine schwierige Aufgabe“, wie sie sagt, denn schließlich soll mit den gewonnen Informationen gezielt das Angebot verbessert und den Familien mehr Familienzeit zurückgegeben werden. Das Projekt ermöglicht hat der Landeswettbewerb „Kommunale Politik für mehr Familienzeit“, bei dem die Stadt mit ihren Ideen einen Zuschuss von 15 000 Euro gewonnen hat. „Bis zuletzt haben wir an den Fragen gearbeitet“, wie Christine Binz vom Institut für sozialpädagogische Forschung in Mainz erklärt. „Wie geht es den Familien in den einzelnen Stadtteilen?“, so fasst sie die 25 Fragen zusammen. „Und was sind die Gründe, dass Eltern das Angebot nicht wahrnehmen?“ Sie ist schon sehr gespannt auf die Antworten bei der anonymen Umfrage. Informationen unter www.familienzeit-ludwigshafen.de.

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