Ludwigshafen

Soziales Ferienprogramm an der Großen Blies gestartet / 760 Teilnehmer werden in vier Wochen betreut

Kinder erbauen ihre eigene Stadt

Archivartikel

Ludwigshafen.Ab der zweiten Fereinwoche geht es auf dem Freizeitgelände an der Großen Blies hoch her. In zwei Abschnitten, die jeweils zwei Wochen dauern, können sechs- bis zwölfjährige Kinder dort ihre eigene Stadt ganz nach ihren Wünschen bauen – mit verschiedenen Einrichtungen wie Kinderbüro, Bibliothek, Museum, Theater, Feuerwehr, Zirkus oder Sportveranstaltungen. „Kinder spielen Stadt“ lautet das Motto der diesjährigen Stadtranderholung. Für den ersten Abschnitt haben sich 360 Kinder angemeldet, für den zweiten sogar 400. Dies ist ein Beleg für die Beliebtheit der Ferienaktion, die vom städtischen Bereich Jugendförderung und Erziehungsberatung veranstaltet wird.

Neben dem Aufbau der Miniatur-Stadt wird vor allem gespielt. „In der ersten Woche gehen wir es langsam an, sie ist die Schnupperwoche. Wir beginnen mit einem Geländespiel zum Kennenlernen“, sagte Christiane Ritscher, Leiterin der Stadtranderholung, beim gestrigen Auftakt. „Wir besuchen außerdem die Jugendverkehrsschule nebenan und gehen in die Turnhalle. Dort gibt es einen Bewegungsparcours mit Seilen und Schwebebalken, bei dem man Mut und Motorik austesten kann.“

Mehr als 100 Betreuer

Die Erlebniswochen haben einen positiven Nebeneffekt für die Eltern, denn diese bekommen für ihre Kinder eine Ganztagsbetreuung inklusive Mahlzeiten. „Ich habe auch schon erlebt, dass Kinder zu mir sagten, die Ferienaktion habe ihnen besser gefallen als der Urlaub. Das liegt daran, dass sie hier den ganzen Tag in ihrer eigenen Welt sind“, so Ritscher. Doch so leicht und spielerisch wie alles auf den ersten Blick aussieht, ist es für die Organisatoren keinesfalls. „Die Stadtranderholung ist quasi ein mittelständisches Unternehmen. Wir haben mehr als 100 Betreuer, vom ausgebildeten Pädagogen bis zum Helfer, etwa Schüler ab 16 Jahren“, sagte Thomas Niklaus vom Bereich Jugendförderung.

Das Projekt ist aufwändig gestaltet. Morgens fährt ein Bus durch die Stadtteile und sammelt die Kinder ein. Bis zur Heimfahrt erhalten diese drei Mahlzeiten. Auf dem Gelände sind vier große Zelte aufgebaut, in denen die Mahlzeiten eingenommen werden und der Ablauf besprochen wird, bevor es an die verschiedenen Stationen geht. Jedem Zelt ist eine Gruppe zugeordnet.

„Ich komme jetzt in die 13. Klasse und mache in den Ferien als Helfer mit. Ich bin bei den Pfadfindern und dort seit vier Jahren Betreuer. Da es mir Spaß macht, mit Kindern zu arbeiten, möchte ich nach dem Abitur etwas im sozialen Bereich studieren“, meinte Philipp Eisele-Mehrhof. Auch zur Integrationsarbeit ist das Programm geeignet. Die 17-jährige Qadria Hanifi floh vor zwei Jahren mit ihrer Familie aus Afghanistan. Schon im damaligen Sommer nahm sie an der Ferienaktion teil.

Durch den intensiven Kontakt mit den Kindern lernte sie die deutsche Sprache. „Meine Schwester und meine Brüder sind ebenfalls als Helfer dabei. Auch als Übersetzer sind wir im Einsatz, wenn ein anderer Helfer mal ein Kind aus Afghanistan nicht versteht“, so die Schülerin. Die Ergebnisse der Projektwoche werden jeweils am letzten Tag den Eltern vorgestellt.