Ludwigshafen

Wilhelm-Hack-Museum Drittklässler der Wittelsbachschule beim Projekt „Sprachkunst-Werkstatt“

Kinder schaffen eigene Werke

Ludwigshafen.Eine ungewöhnliche Ausstellung ist derzeit im Wilhelm-Hack-Museum zu sehen. Dabei sind die Urheber der Kunstwerke nicht etwa aufstrebende zeitgenössische Künstler, sondern Schüler der Wittelsbachschule. Im Rahmen des Projekts „Sprachkunst-Werkstatt“ haben zwei dritte Klassen ein ganzes Schuljahr lang Kunst geschaffen. Jeden Montag sind die Klassen 3c und 3d, angeleitet von ihren Lehrern, anderthalb Stunden durch das Museum gegangen und haben sich inspirieren lassen. „Kinder durch Kunst an die Sprache heranführen“, nennt Museumspädagogin Sarah Remmel das Ziel dieses Projekts.

Gerade in einer Gegend mit hohem Migrationsanteil sei es wichtig, etwas für die Sprachförderung zu tun – ohnehin ein zentrales Anliegen der Wittelsbachschule, wie Schulleiter Christoph Theobald hervorhebt. Ganz bewusst habe man sich für einen Zugang über die Bildende Kunst entschieden, denn viele Grundschüler hätten am gestalterischen Ansatz großen Spaß und bewiesen ungeahnte Fantasie, weiß Anette Haas vom Förderkreis des Wilhelm-Hack-Museums, der die Arbeit der beteiligten Museumspädagogen finanziell unterstützt.

Bindeglied zwischen Wort und Bild

Die Sprachkunst-Werkstatt als Bindeglied zwischen Wort und Bild existiert bereits seit 2011. Nachdem die Schule Jahr für Jahr zwei dritte Klassen auswählt, geht es für die Kinder ins Museum – oft zum ersten Mal in deren Leben. Lehrer und Museumspädagogen führen sie durch die Räume und zeigen ihnen Bilder, die sie in kindgerechter Weise besprechen. „Die Schüler sollen eigene Wörter finden für das, was sie sehen“, erklärt Remmel. Daraus entstünden eigene Kunstwerke von Porträts bis hin zu Wortschatzlisten. Bei der Sprachkunst-Werkstatt 2018/19 hat die Klasse 3d einen in weiß gehaltenen Raum betreten, der ebenso von der Farbe weiß dominierte Kunstwerke beinhaltet. Davon beflügelt, schufen die Schüler sogenannte „Vielleicht-Gedichte“, Reime aus Worten, die sie mit den Werken assoziieren.

Bei der Eröffnung trug die Drittklässlerin Mona exemplarisch vor: „Vielleicht Papier – schweben vielleicht – vielleicht quer – cool vielleicht“. Selbst sprachliche Ausdrucksformen höherer Güte brachten die Kinder dank der Bildenden Kunst zuwege: Angeregt durch die aktuelle Ausstellung „Gewächse der Seele. Pflanzenfantasien zwischen Symbolismus und Surrealismus“ fertigten die Schüler Haikus – Dreizeiler in der traditionellen japanischen Gedichtform. Eindruck auf die 38 Drittklässler hinterließ das Gemälde „Mond am Fenster“ von Karl Schmidt-Rottluff aus dem Jahr 1933. So kreierten die Nachwuchskünstler eine Reihe individueller „Fensterbilder“. Wer neugierig auf die Ergebnisse geworden ist, kann die Werke noch bis 4. August besichtigen.