Ludwigshafen

Innenstadt Nukleus-Festival soll 2020 wiederholt werden

Kultur im Leerstand kommt gut an

Ludwigshafen.Nuklearexplosionen haben eine ungeheuerliche Energie – diese war auch beim Nukleus-Leerstandsfestival zu spüren. Sie war jedoch keineswegs zerstörerisch, sondern produktiv: Einen Monat lang wurden in einem leerstehenden Ladengeschäft in der Bismarckstraße 75 insgesamt 60 Veranstaltungen – Vorträge, Gesprächsrunden, Workshops, Konzerte und Ausstellungen – angeboten. Kernthema war die kulturelle Stadtentwicklung mit der Nutzung von Leerständen und dem Ziel, das Engagement für Kultur und Gesellschaft zu stärken. Das Motto: „Es ist deine Stadt, mach was draus!“.

Die Macher Mathias Berkel (Vorsitzender der IHK-Tischrunde Ludwigshafen), Eric Seitz (Projektleiter) sowie Delia Rothas und Andreas Heinrich (Programm und Realisierung) sind zum Abschluss begeistert und berichten von viel Lob der Besucher, die aus der ganzen Region kamen. Heinrich: „Viele Menschen haben sich bei den Veranstaltungen vernetzt.“ Rothas war überrascht von der Besucherzahl, die geschätzt bei 1000 Menschen lag. Berkel von der IHK-Tischrunde erklärt: „Die Kulturtreibenden von Mannheim und Heidelberg waren hellauf begeistert.“ Die Tischrunde ist ein Zusammenschluss von 40 Unternehmen, die Ludwigshafen lebenswerter machen wollen.

Michael Cordier, Geschäftsführer der Ludwigshafener Kongress- und Marketinggesellschaft (Lukom), erklärt: „Was ihr geschaffen habt, war großartig, hat die Stadtgesellschaft weitergebracht und für ein besseres Image gesorgt. Die junge Stadt muss ihre Identität pflegen.“

Finanziert wurde Nukleus von den Unternehmen. Seitz will keine Summe nennen und betont: „Das ist nur ein kleiner Anteil, der ideelle Wert lässt sich nicht beziffern und viele Akteure sind ohne Gage aufgetreten.“ Für das Leerstandsfestival überlegen sich die Organisatoren für 2020 eine Wiederholung, Talkrunden sollen bereits ab sofort weitergeführt werden. Ein Erlebnisbericht des Festivals soll folgen, zudem realisierbare Maßnahmen: Ziel sind interkulturelle Angebote.

Laut Berkel gibt es sieben bis zehn Prozent Leerstand in der Stadt: „Wir sollten dies als Chance sehen für Kultur und neue Ideen.“ Für Hausbesitzer seien kurze Mietzeiten manchmal interessanter als lange. Bei einer Zwischennutzung würden viele Leute in leerstehende Räume kommen. Für die Suche nach Mietern sei dies besser als ein Angebots-Schild an der Fensterscheibe. Er betont: „Es gibt den Bedarf, Ludwigshafen aufzuwerten, die Leute haben keine Lust mehr auf den kollektiven Minderwertigkeitskomplex.“

Neue Begegnungsstätte geplant

Seitz verrät, dass es ab Januar für zwei Jahre weitergehen soll mit einem neuen Projekt. Die Stichworte „Engagement Space“, „Co-Working“ und „Social Start-ups“ fasst er mit einem deutschen Wort zusammen: „Es ist eine Begegnungsstätte. Das hört sich altmodisch an, ist aber genau das, worum es geht.“ Ein Ort stehe noch nicht fest, er betont: „Wichtig sind Offenheit, ein guter Zugang, ein Bezug zur Straße und es soll wandelbar sein.“ Beispielsweise könnte abends eine Party stattfinden, wo tagsüber Schreibtische stehen. 200 Quadratmeter seien ausreichend, der Standort soll in der Fußgängerzone sein.

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