Ludwigshafen

Innenstadt Gesprächsrunde gibt Anregungen

Kulturaktionen statt Leerstände

Ludwigshafen.Wie lassen sich urbane Räume nutzen und gestalten? Dieser Frage gingen Bürger und Kulturschaffende beim Leerstandsfestival Nukleus nach. Im Fokus stand die kulturelle Entwicklung, insbesondere die Nutzung von Leerständen. „Wir wollen zivilgesellschaftliches Engagement in praktische Lösungen umsetzen“, erklärte Projektleiter Eric Seitz. Zum Gesprächsabend in der Bismarckstraße kamen Vertreter des Kulturbetriebs und der Stadtgesellschaft zusammen – auf der Suche nach neuen Ideen.

Schillernde Farben

Mit Bernd Jöst und dem brasilianischen Street-Art-Künstler Marcel de Medeiros vom Verein „Urbane Experimente“ (Kassel) hatte man zwei Experten zu Gast. Wie eine als trist empfundene Umgebung neu gestaltet werden kann, veranschaulichten sie am Beispiel ihrer nordhessischen Heimatstadt: Eine Vielzahl soziokultureller Projekte legten sie dort auf, von legalen Graffiti-Flächen über Poetry Slam bis zur Capoeira-Performance in Unterführungen. „Wenn wir in Kassel solche Hochstraßen hätten, würden wir sie in allen Farben schillern lassen“, meinte Jöst.

Regelmäßig führe die gestalterische Arbeit zu einem „Nachwirkeeffekt“. Das war nicht immer so. Vor der Gründung des Vereins stand zunächst das Projekt „Raum für Experimente“, gefolgt von weiteren Kunstaktionen. Inzwischen kooperiert man mit der Documenta und erhält finanzielle Förderung. Eine ähnliche Entwicklung könnte auch in Ludwigshafen klappen, zeigten sich die Initiatoren überzeugt.

Die hiesige „Willkommenskultur für Engagement“ lobte Rechtsanwalt Martin Wegner, der als Projektentwickler mit der Stadt verbunden ist. Gleichwohl werde vielerorts „öffentlicher Raum weggenommen“, teilweise beschränkten sich die Menschen selbst. Positive Gegenbeispiele seien der Inselsommer und das Straßentheaterfestival.

René Zechlin, Direktor des Hack-Museums, forderte, den Menschen stärker in den Vordergrund zu rücken. Zu oft sei der Lebensraum noch dem Auto gewidmet. Jöst sieht in Ludwigshafen einen Mangel an „Debattenräumen“ und plädiert für mehr Farbe – und eine Wiederbelebung der Fußgängerzone. Dass die Empfindung von „Schönheit“ stark variieren könne, gab Marc Reisner vom Designzentrum Rhein-Neckar zu bedenken. Besucher wiesen darauf hin, dass niedrigschwellige Kulturangebote wichtig seien. 

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