Ludwigshafen

Kultur Auf der Suche nach neuen Verdienstmöglichkeiten zeigt der Verein Kultur-Rhein-Neckar seine ganze Kreativität

Kunst entdeckt Hinterhöfe und Balkone

Archivartikel

Ludwigshafen.„Für die Kunst!“ heißt ein lokales Bündnis, mit dem Kunst und Kultur in Ludwigshafen auch während der Corona-Krise lebendig bleiben sollen. „Viele Menschen vermissen kulturelle Events als Gemeinschaftserlebnis“, sagt Eleonore Hefner vom Verein Kultur-Rhein-Neckar. Um das zu ändern, hat sich die Betreiberin des Cafés Franz&Lissy in Mundenheim mit Orchestermusiker Frieder Funk und Kunstförderer Diethelm Messinger zusammengeschlossen. Verdienstmöglichkeiten für Künstler aus der Nachbarschaft zu kreieren, ist dabei ein zentraler Gedanke.

„Kulturschaffende sind jetzt ohne Einkommen, aber nicht außer Dienst“, weiß Hefner und bietet ihnen seit Wochen innovative Betätigungsmöglichkeiten. Die meisten kennt sie persönlich aus der Kulturarbeit der vergangenen 25 Jahre. Dem ersten Balkon-Konzert im Areal Rottstraße/Brucknerstraße/Max-Reger-Straße/Bayernstraße hatten Ende April mehr als 100 angrenzende Haushalte zugehört.

Zur Unterstützung der in Mannheim lebenden Singer-Songwriterin Jules hatten die Anwohner die Gelegenheit, eine Spende an Kultur-Rhein-Neckar zu überweisen. Ein entsprechender Flyer mit Ankündigung von Ort und Bankverbindung wurde jedoch erst kurzfristig verteilt. So bot sich den Nachbarn ein Live-Erlebnis ohne unerwünschten Menschenandrang.

Neben den freitäglichen Balkon-Konzerten haben bisher drei Fenster-Konzerte am Schützenplatz stattgefunden. Auch bei diesem Projekt war die jeweils 45-minütige musikalische Darbietung unter Wahrung der sozialen Distanz mitzuverfolgen. Die Sonntagnachmittage sind indes der Reihe „Klassik zum Kaffee“ vorbehalten. Bei dieser speziellen Form des Balkon-Konzerts treten Ludwigshafener Orchestermusiker wie Frieder Funk auf, der bei der Staatsphilharmonie fest angestellt ist. Die professionellen Musiker spielen im Rahmen der Benefiz-Reihe für andere Künstler, denen der Erlös zukommt.

„Die Qualität der Hinterhöfe hätte man auch früher schon entdecken können“, resümiert Eleonore Hefner nach den ersten Erfahrungen. Dank der Balkon-Konzerte würden viele Orte neu wahrgenommen. Auch spreche man Menschen an, die ansonsten kaum mit Konzertmusik in Berührung kämen. Doch nicht nur die Musik ist „Für die Kunst!“ von Interesse.

Zur Präsentation im öffentlichen Raum haben Hefner, Funk und Messinger die „Schaufenster-Kunst“ ins Leben gerufen. Dabei erhalten leerstehende Läden neue Ausstellungskonzepte. So kann ohne Gefahr für die eigene Gesundheit Kunst im Schaufenster erlebt werden, solange die Museen geschlossen sind.

Guten Anklang fand auch die Idee der Künstler Markus Stürmer, Ulrich Thul, Wolfgang Vogel und Helmut van der Buchholz. Sie haben als Dankeschön individuelle Postkarten für die ersten 30 Spender gestaltet. Für die Balkon-Konzerte werden noch spannende, nicht-öffentliche Orte gesucht. Tipps per E-Mail an info@kulturrheinneckar.de.

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