Ludwigshafen

Kultur Fotoausstellung der Hamburgerin Irina Ruppert beschäftigt sich mit Geschichte der Landwirtschaft

Kunstvolle Einblicke in die Feldarbeit

Dannstadt-Schauernheim.Hoch und markant ragen die sieben Bildwände auf dem Feld vor den Toren der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim empor. Jeweils vier mal drei Meter im Format, zeigen sie Erntehelfer, Produktionsmitarbeiterinnen und die hiesige Landwirt-Familie Renner - aufgenommen vor der Kulisse historischer Landschaftsfotografien, die zwischen den 1920er Jahren und 1950 in der Region entstanden waren. Die ausdrucksvollen Arbeiten der Fotokünstlerin Irina Ruppert sind bis zum 28. Oktober frei zugänglich auf dem Feld des von der Familie Härtel geführten Lebensmittel-Unternehmens Havita zu sehen.

"Erz. 7139" heißt die Feldausstellung, die Teil des Fotografie-Projekts "Orangenzimmer" und eine Produktion von "Matchbox" ist, des wandernden Kunst- und Kulturprojektes in der Region Rhein-Neckar.

Gut besuchte Vernissage

Auf Einladung des Kulturbüros der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH hat die Hamburger Fotografin seit März in der vorderpfälzischen Gemeinde gelebt und gearbeitet - und sich dabei intensiv mit den Themen Landwirtschaft und Saisonarbeit auseinandergesetzt. Sie habe sich die Frage gestellt: "Was weiß ich über die Erzeugung unserer Nahrung und was über die Menschen, die dafür arbeiten?", berichtete die Künstlerin bei der gut besuchten Vernissage. Um Kontakt zu den Bewohnern, den Bauern und den aus Ländern wie Rumänien, Polen, Ungarn oder Bulgarien stammenden Arbeitern zu knüpfen, hatte sie einen Laden als Projektraum eingerichtet, das "Orangenzimmer", und damit zugleich einen "Treff-Ort" für die Arbeiter geschaffen.

Sie fing an, sich mit der landwirtschaftlichen Geschichte der Region zu beschäftigen, sammelte alte Fotos, arbeite mit auf dem Feld und in der Fabrik, bevor sie nach vier Monaten Recherche zu fotografieren begann. Stefan Veth, Bürgermeister der Verbandsgemeinde und Vorsitzender des Kultur- und Heimatkreises, dankte den Familien, die das Projekt unterstützt hatten. Er wies auf die landwirtschaftliche Prägung des Ortes hin - von den 2600 Arbeitsplätzen in der Verbandsgemeinde habe ein sehr großer Teil mit der Landwirtschaft zu tun, und in der Umgebung gebe es 2000 bis 3000 Erntehelfer. "Dieses Thema wollten wir auch verarbeiten", erklärte er mit Blick auf das dieses Jahr begangene 1250. Ortsjubiläum.

"Matchbox" verfolge unter anderem das Ziel, die Kommunen, deren Menschen und Geschichten kennenzulernen, erläuterte Projektleiterin Lea Gerschwitz. Dafür würden internationale Künstler eingeladen, in der Region zu leben und arbeiten. "Wir möchten, dass die Kunst eben auch vor Ort stattfindet, nicht nur in den Städten der Region, sondern gerade auch im ländlichen Raum."

Das "Orangenzimmer" ist Teil des überregionalen Fotofestivals "OFF//FOTO". Im Begleitprogramm gibt es geführte Bus-Landpartien, die am 14. und 22. Oktober in Mannheim starten, sowie ein Künstlergespräch am 21. Oktober, 16 Uhr, im Hack-Museum (Infos unter http://matchbox-rhein-neckar.de).