Ludwigshafen

Soziales Ehemaliger Landeschef gratuliert zum Awo-Jubiläum

Kurt Beck mahnt Solidarität an

Archivartikel

Ludwigshafen.„Wir müssen aufpassen, dass es sich nicht wiederholt. Nicht nur der Solidarität, sondern auch der Demokratie und der Freiheit, war die Arbeiterwohlfahrt schon immer in besonderer Weise verpflichtet“, mahnt Kurt Beck. Der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Vorsitzende der Friedrich-Ebert-Stiftung hielt eine mitreißende Rede und gratulierte der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zum 100-jährigen Bestehen bei einer kleinen Feier im Quartierbüro der SPD in der Gartenstadt.

Kinderarmut als großes Problem

Zwar gibt es den Stadtkreisverband der Awo mit derzeit rund 300 Mitgliedern in drei Ortsvereinen seit 1946. Dennoch hat er laut Beck maßgeblich zur Geschichte beigetragen. „Die Awo hört zu, packt wirklich an und hilft unmittelbar“, betonte er. Davon könne sich manch anderer eine Scheibe abschneiden, gerade in einer Zeit, in der man nicht mehr zuhöre und mit Kritik schnell am Start sei. Eine Entwicklung, die Populisten in die Hände spiele. „Die Machtergreifung der Nationalsozialisten von 1933 und das folgende Verbot der Awo muss uns bis heute eine Mahnung sein“, fordert Beck.

Gerade die Awo wisse, wie groß das Elend nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen ist. Sie habe eine große Hilfe für die Gesellschaft geleistet, galt es damals wie heute auch, Geflüchtete aufzunehmen und zu integrieren. „Viele Themen aus der Gründungszeit wie Frauenrechte, Kampf gegen Armut, für Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben, Gerechtigkeit und Solidarität sind auch die Themen, die uns immer noch beschäftigen“, meint Stadtkreisvorsitzender Holger Scharff. Er wünsche der Awo, dass vieles von dem, was sie heute antreibt, irgendwann nicht mehr notwendig ist. „Aber davon sind wir leider mehr entfernt denn je.“ Gerade in Ludwigshafen seien Kinder- und Altersarmut ein großes Problem. Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei gut. Dennoch gebe es auch immer wieder kritische Auseinandersetzungen. Auch hoffe er, dass die Awo mehr neue und junge Mitglieder finde. Es sei schwierig junge Menschen für das Engagement zu begeistern. „Diejenigen, die aber kommen und helfen, sind auch mit tollem Engagement dabei“, lobt der Vorsitzende, der sich in der Stadt mehr Solidarität mit Geflüchteten und Asylbewerbern wünscht. „Niemand verlässt aus Spaß seine Heimat“, betont er. „Jeder, der bei und mitarbeiten möchte, ist herzlich willkommen.“

Der Bezirksvorsitzende der Awo-Pfalz Klaus Stalter hob die besondere Rolle heraus, die Ludwigshafen in der pfälzischen Awo gespielt habe. Denn die Initiative zur Gründung ging von Lina Rauschert, der ersten Ludwigshafener Vorsitzenden bis zur NS-Zeit, aus. „Die Ludwigshafener Awo war für die gesamte Pfalz prägend. Vielen Dank dafür.“

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