Ludwigshafen

Bildung Anne-Frank-Ausstellung in der Aula der gleichnamigen Realschule bis 28. Mai / 30 Jugendliche erhalten spezielle Ausbildung

Leiden einer Altersgenossin

Archivartikel

Ludwigshafen.„Es begann mitten in unseren Städten und endete in den Vernichtungslagern“, sagte Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder. In einem Vernichtungslager während der NS-Diktatur starb Anne Frank 1945. Das jüdische Mädchen, dessen Erinnerungen der Nachwelt in Gestalt ihres Tagebuchs erhalten blieb, wurde im Alter von 15 Jahren umgebracht. „Die Konfrontation mit ihrer Lebensgeschichte macht uns bewusst, dass die Judenverfolgung nicht sechs Millionen anonyme Oper forderte. Der Holocaust war der Mord an einem ganzen Volk – sechs Millionen Mal der Mord an einzigartigen Individuen“, so Wieder bei der Eröffnung der Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“, die bis zum 28. Mai in der gemeinsamen Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums und der Anne-Frank-Realschule plus zu sehen sein wird.

In Schautafeln, Bildern, Texten und Film verknüpft die eindrückliche Ausstellung das Leben und Schicksal von Anne Frank mit der Zeitgeschichte von Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Judenverfolgung, Holocaust und Zweitem Weltkrieg. Konzipiert wurde die Wanderausstellung vom Berliner Anne Frank Zentrum zusammen mit dem Anne Frank Haus.

Besondere Bedeutung kommt dabei dem pädagogischen Ansatz zu: 30 Schüler der Klassenstufen neun bis elf – jeweils 15 von Anne-Frank-Schule und Heuss-Gymnasium – sind an zwei Tagen von Mitarbeitern des Anne Frank Zentrums zu sogenannten Peer Guides ausgebildet worden. In dieser Funktion führen sie Schulklassen ab der neunten Jahrgangsstufe und andere Gruppen durch die Ausstellung – und regen Gespräche an. Noa Weinel (15), Nele Förter-Barth (17) und Pietro Vasco (15) sind drei von ihnen. „Wir haben eine Verantwortung, diese Geschichte weiter zu tragen, dass sie nicht in Vergessenheit gerät“, erläuterte Noa Weinel.

Audioguides in vier Sprachen

Eine Schülergruppe hatte bei einer Projektwoche im Ludwigshafener Haus der Medienbildung sogenannte Audioguides zur Ausstellung eingelesen, die per Smartphone abgerufen werden können. „Das gab es bisher noch nie“, berichtete Johannes Thomas, Schulleiter der Anne-Frank-Realschule plus. Audioguides in türkischer, italienischer und arabischer Sprache sollen bald folgen.

„Leider können wir nicht davon ausgehen, dass wir in unserer Zeit völlig dagegen immun sind, dass Rassismus und Antisemitismus wieder um sich greifen“, mahnte Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg (CDU). Eine besondere Aufgabe komme den Schulen zu, die „ein Ort der Toleranz und Vielfalt“ sein müssten. Heuss-Schulleiter Friedrich Burkhardt begleitete überdies seinen Musik-Leistungskurs der Klasse elf am Piano, der den überaus sensiblen musikalischen Rahmen der Eröffnung gestaltete. Zu der vom Bezirksverband Pfalz angebotenen Ausstellung gibt es außerdem ein umfangreiches Begleitprogramm in der Stadt und der Region, an dem sich verschiedene Ludwigshafener Kultureinrichtungen beteiligen.