Ludwigshafen

Theater In der Hemshofschachtel feiert das Stück „Ä schwere Geburt“ über einen Asylbewerber Premiere

Liebe und Respekt bei der Integration

Ludwigshafen.„Ein Stück, das zum Nachdenken anregt“, „mutig und aktuell“ und „ganz aus dem Leben gegriffen“ – so viel überschwängliches, einhelliges Lob nach einer Premiere hört man selbst in der Hemshofschachtel selten. Im Foyer wurden dazu die Schauspieler gedrückt, geherzt, beglückwünscht und auch das eine oder andere Tränchen verdrückt. „Ä schwere Geburt“ ist eben kein normales Stück, das nur unterhalten will (wir berichteten). Es werden auch Vorurteile gegen Flüchtlinge, den Islam und Ausländer allgemein thematisiert, wobei der Humor definitiv nicht zu kurz kommt. Das garantiert schon Marie-Louise Mott als resolute Oma mit ihrer unvergleichlichen Art.

„Niemanden ausgrenzen“

Doch auch sie war bei dieser Premiere mehrmals den Tränen ziemlich nahe – nicht weil es der 32. Geburtstag ihres Mundarttheaters war, sondern weil ihr die Botschaften des Stücks so wichtig waren: Liebe und Respekt anderen Menschen gegenüber, aber auch wie wichtig Sprache und Teilhabe an der Arbeitswelt für die Integration sind. Die Worte waren sorgfältig gewählt, denn man wolle niemanden ausgrenzen, der „berechtigte Ängste und Sorgen hat“, betonte Regisseur Andreas Assanoff vorab. Gülistan Doganay, die ein Fisch- und Feinkostgeschäft betreibt, findet das Stück wichtig, denn sie hat schon Ressentiments am eigenen Leib erlebt und auch gesehen, wie schnell sie sich verflüchtigen können, wenn sich Menschen erst einmal kennenlernen.

Hauptdarsteller der Auftragsarbeit von Rudy Kupferschmitt ist Salah Almosly. Er macht das Stück zu etwas Besonderem. Der 35-jährige Syrer spielt den Asylbewerber Elias, der von Familie Hauptmann aufgenommen wird. Dass er das erste Mal auf einer Bühne steht, ist dem Naturtalent nicht anzumerken. Mit viel Gespür für Situationskomik zeigt er, wie der junge Marokkaner dazulernt, fleißig mithilft und am Ende gar nicht mehr wegzudenken ist.

Von Oma Sophie (Marie-Luise Mott) bekommt Elias Pälzisch beigebracht und singt von „so em guude Palzwoi“. Bei Mama Isabella (Tanja Hoecker) hilft er im Haushalt und bei Papa Hannes (Jens Kalbfuß) im Betrieb. Mit Schwester Lena (Sina Schreiner), die kurz vorm Abi steht, lernt der Asylbewerber Mathe. Nur mit Melitta (Annette Ludwig) hat er anfangs so seine Probleme. Die ist Mamas Patentante und beste Freundin, schert aber gerne mal alle Moslems über einen Kamm und gibt die dumpfen Sprüche zum Besten. Im richtigen Leben ist hingegen Annette Ludwig eine weltoffene und sozial engagierte Frau.

Aber auch Melitta lernt, dass es „den Araber“ oder „den Moslem“ so generell nicht gibt, dass man den Anderen erst einmal kennenlernen muss. „Wir sind gar net so verschieden“, erkennt sie, als es fast schon zu spät ist. Denn dem Marokkaner droht die Abschiebung. Und um dies zu verhindern, denkt sie sogar über eine Scheinhochzeit nach.

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