Ludwigshafen

Oggersheim Zwölf Männer und Frauen bauen ein Haus in der Schillerstraße / Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck: Wohnform der Zukunft

Lieber gemeinsam alt werden

Ludwigshafen.Sie wollen nicht einfach unter einem Dach wohnen, sondern auch gemeinsam etwas unternehmen und ansprechbar sein, wenn jemand Unterstützung braucht. „Gemeinsam alt werden ist besser als allein sein“, lautet ihr Ziel. Zwölf Männer und Frauen, darunter fünf Paare, fanden sich deshalb zu einem ungewöhnlichen Wohnprojekt zusammen. In vierjähriger Vorbereitung entwarfen sie ihr neues Zuhause unter dem Motto „Wohnen mit Freu(n)den“ in Oggersheim. Sie freuen sich nun darüber, dass nach dem Richtfest für das viergeschossige Gebäude in der Schillerstraße die wichtigsten Hürden für das 2,4 Millionen Euro teure Vorhaben überwunden wurden, wie Ralf Jung als einer der Initiatoren erklärte.

Mit Lob für das Projekt sparten Politiker und Baufachleute nicht. „Das ist die Wohnform der Zukunft, um der Einsamkeit im Alter entgegenzuwirken“, hatte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) beim Richtfest betont. „Die Zielstrebigkeit und Entschlusskraft der Gruppe sind beeindruckend und haben Vorbildcharakter“, sagte Alexander Grünwald von der Bauwohnberatung Karlsruhe.

Diese hatte die Gruppe bei ihrem Vorhaben unter anderem bei rechtlichen Fragen unterstützt. Denn die Ziele eines Gemeinschaftsprojektes waren leichter zu formulieren als sie konkret umzusetzen. Durch eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts wurden nun Regelungen im Erbfall getroffen. Damit wird laut Jung auch sichergestellt, dass die Wohnungen nicht als Renditeobjekte verkauft werden könnten.

Sonnenterrasse auf Garagendach

„In 60 Sitzungen und drei Klausurwochenenden feilten wir an dem Konzept. Dabei ging es nicht emotionslos zu“, blickte der 54-jährige Jung auf die „unvorstellbar große Arbeit“ zurück. Eine bunt gemischte Gruppe mit unterschiedlichen Berufen, die sich über ihre Kinder kennengelernt hatte, fand sich für das Projekt zusammen. Ein Architekt ist ebenso vertreten wie ein Industriemeister, technischer Zeichner, Betriebsschlosser sowie eine Pfarrerin und Physiotherapeutin. Die Altersspanne reicht von 49 bis 80 Jahren. „Meinungsverschiedenheiten blieben dabei nicht aus. Das grundsätzliche Konzept war aber nie strittig“, so die Initiatoren.

Ergebnis: Beim Wohnprojekt in der Schillerstraße entstehen nicht nur acht Wohnungen mit einer Fläche von jeweils 90 Quadratmetern, sondern auch gemeinsame Einrichtungen, wie Sauna und Waschküche. Auch das Garagendach wird dafür genutzt – als eine 82 Quadratmeter große Sonnenterrasse, auf der sich alle erholen können. Herzstück ist indes ein 57 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum im rückwärtigen Bereich des Grundstücks – für Spiele, Gespräche oder zum Lesen und Musikhören.

Nicht einfach war auch die Grundstückssuche. Nachdem die Gruppe das Areal direkt neben dem Schillerhaus gefunden hatte, blieben Überraschungen nicht aus. Grund: Weil das Nachbargebäude nicht unterkellert ist, musste die Trennwand aus statischen Gründen aufwendig verstärkt werden.

Weil die Handwerker teilweise auch samstags gearbeitet haben, werde das Gebäude bis August bezugsfertig, sagte Jung. Eine Wohnung ist dabei noch frei. Beeindruckt zeigte sich die Schirmherrin des Projekts, die SPD-Fraktionsvorsitzende Heike Scharfenberger, vom Durchhaltevermögen der Gruppe, aber auch vom konkreten Ergebnis. „An diesem Projekt können sich viele ein Beispiel nehmen, wie man im Alter leben kann.“