Ludwigshafen

Hobby Modellbahnausstellung im Spielwarenladen Werst in Oggersheim / Digitalisierung der Szene zieht auch junge Leute an

„Lollo“ wird per App gesteuert

Ludwigshafen.Die Signalleuchten des Zement-Lkw, der bestimmt 50 Jahre auf dem Buckel hat, blinken orange auf. Vier Arbeiter geben Handzeichen und weisen den Fahrer vor dem Zementwerk in die richtige Fahrspur, damit er nicht auf die Bahngleise gerät. Ein paar Meter weiter müht sich eine kleine Arbeitslok und zieht gemächlich ein paar Waggons über die Strecke.

„Ich hatte mehrere Ideen, die Wahl fiel schnell auf eine Anlage rund um ein Zementwerk“, sagt Philipp Forche stolz. Das 19-jährige Mitglied des Mundenheimer Modelleisenbahnclubs Ludwigshafen hat seit März an der vier Meter langen Waldbahn-Anlage gewerkelt. Nun sind die liebevoll gestalteten Module Teil der gestern und heute stattfindenden Modelleisenbahntage des Oggersheimer Spielwarenladens Werst. Die Anlage in der Spurweite HOe, eine Gattung der Modellbahngröße HO, will Forche noch um einen Steinbruch erweitern, „als Lieferant für das Kieswerk.“

Steuerung aus der Luft

Auf mehr als 600 Quadratmetern quetschen sich gegen 11 Uhr rund einhundert Besucher durch die Gänge des Spielwarenladens Werst in der Schillerstraße 3. Andächtig stehen die Modellbau-Fans vor den Regalen und bestaunen Rennautos im Maßstab 1:18 oder große Lokomotiven für die Gartenbahn. „Wir haben wirklich viele junge Kunden“, wehrt sich Inhaber Bernhard Werst gegen das Rentner-Image des Modellbaus. „Das ist kein Altherren-Hobby“, schiebt er energisch hinterher und geht an den Info-Stand von einem der vielen Fachhändler. Ein rotes Feuerwehrauto saust über die Nachbildung einer Straße. „Die Fahrzeuge werden mit Ultraschall gesteuert“, erklärt Werst und zeigt auf drei kleine satellitenähnliche Gebilde, die über der Strecke schweben. „Das hat viel mit Technik zu tun. So kriegen wir die Freaks“, ist der 57-Jährige von der Digitalisierung der Miniaturwelten begeistert.

Philipp Forche ist für junge Modellbaufans ein gutes Beispiel. Seit dem Jahr 2010 ist er Mitglied bei den Mundenheimer Modellbauern. „Es fing als Kind mit Lego an, dann kam die erste HO-Bahn und nun die Schmalspur-Anlage“, sagt der Abiturient. Der Ruf seines Hobbys stört ihn nicht, im Gegenteil: „Es ist etwas anderes und macht mir einfach Spaß.“ Sogar zwei Frauen und anderen junge Leute seien Mitglieder, ruft der Vorsitzende Dominik Beetz rüber. Mit Mini-Werkzeugen und einer Fernbedienung stromert er um die Anlage herum. Gemeinschaft und Kreativität würden im Vordergrund stehen, ergänzt Beetz. „Es ist einfach ein erfüllendes Hobby.“

So erfüllend, dass auch Ursula Stumpf mit einer Kollegin in der Mittagspause vorbeischaut. „Je kleiner die Anlage, umso toller“, findet Stumpf, die zwar keine Modellbahn besitzt, dafür aber einen alten Kaufladen aus Kindestagen hat. „Die Ausstellungen schauen wir uns immer an – auch wegen der Waffeln“, gibt sie lachend zu und entschwindet durch die Gänge.

Um Frauen geht es auch bei der Interessengemeinschaft Modelleisenbahn Worms. Doch damit ist nicht der typische FKK-Badesee auf der HO-Anlage gemeint, sondern eine Lok der Baureihe V 160. „Spitzname Lollo“, sagt Christian Fellhauer grinsend. Den Namen verdanke die Diesellok aus den 1960er-Jahren der Hollywood-Legende Gina Lollobrigida. „Wegen der Kurven“, erklärt Fellhauer, der die Bahn per App über sein Handy steuern kann. Steuermodul und Handy seien per WLAN verbunden, erklärt er. „Ich kann neben dem Zug herlaufen und bin mobil.“