Ludwigshafen

Innenstadt Saison mit Rathaussturm, Straßenfasnacht und Dämmerumzug offiziell eingeläutet

Ludwigshafen in Narrenhand

Archivartikel

Ludwigshafen.Mit weiß-roten Absperrbändern war der Treppenaufgang zum Ludwigshafener Rathaus verbarrikadiert. Hinter der Barriere standen Oberbürgermeisterin (OB) Jutta Steinruck, Sozialdezernentin Beate Steeg und Kämmerer Andreas Schwarz. Gemeinsam mit vielen Verwaltungsmitarbeitern, den Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats und Feuerwehrleuten verteidigten sie ihr Domizil. Denn unten stand eine Schaar von Narren, die nur darauf warteten, den Stadtschlüssel in ihren Besitz zu bringen: Mit der Rathauserstürmung begann pünktlich um 11.11 Uhr die Ludwigshafener Straßenfasnacht der 1. Guggemusik „Huddelschnuddler“ und des Großen Rats.

Die Hausherren bewarfen die närrische Schar des Großen Rats von der Rathausterrasse aus mit blauen Badeenten und Taschentuch-Packungen. „Ich wünsche euch einen schönen Tag. Amüsiert euch in der Stadt. Das Rathaus bekommt ihr nicht. Ihr habt keine Chance. Zieht wieder ab“, sagte OB Steinruck, die auch noch den „Huddelschnuddler“-Vorsitzenden Hans-Jürgen Mendel in Handschellen als Geisel präsentiert. Sie bot den Fasnachtern das Rathaus mit einer Schenkungsurkunde an, bei dem sich der Große Rat verpflichten sollte, das Rathaus auf eigene Kosten abzureißen und wieder neu aufzubauen. „Wir sind zwar Narren, aber nicht bescheuert, ein marodes Rathaus, zwei marode Brücken und eine leere Kasse zu übernehmen. Wir wollen den Schlüssel für die Stadt“, forderte Christoph Heller, Präsident des Großen Rats der Ludwigshafener Karnevalsvereine. Er ließ sich nicht beirren und schnitt sich mit einem Messer den Weg auf der Rathaustreppe frei. Nach rund fünfzehn Minuten ergab sich die Oberbürgermeisterin den mehr als 500 Karnevalisten und übergab den goldenen Stadtschlüssel.

59 Zugnummern

Auf der Bühne am Lichttor ging die Gaudi dann erst richtig los. Constanze Kraus, Vizepräsidentin des Großen Rates, begrüßte die Narrenschar, darunter viel Politprominenz. Präsident Christoph Heller krönte Jutta Steinruck zur Königin Jutta I. von Ludwigshafen bis zum Aschermittwoch. „Drei donnernde Ahoi auf unsere Jutta I.“, sagte Heller. In seiner Krönungsrede erinnerte er daran, dass sie über „Armut und Notstand in Ludwigshafen“ herrsche. „Es ist mir eine große Ehre“, sagte Königin Jutta I. und erließ ein Dekret, bei dem Heller ihr alle Wünsche von den Augen ablesen solle.

Mit viel Musik und Tänzen sorgte das Bühnenprogramm für Kurzweil, bis der neunte Dämmerumzug mit 59 Zugnummern und mehr als 1100 Akteuren auf dem Theaterplatz startete. Hexen, Geister, Guggemusiker und Karnevalsvereine sorgten für Stimmung in der Fußgängerzone. Den zahlreichen Besuchern gefiel das bunte Treiben. „Ich bin extra wegen des Dämmerumzugs und der Guggemusik nach Ludwigshafen gekommen. Das ist etwas ganz Besonderes. Die Ludwigshafener Fasnachter machen sich sehr viel Mühe, das zu organisieren“, meinte Charlotte Kollmer (68) aus Bissersheim bei Grünstadt. Ozan Yildirim (43) aus Ludwigshafen erzählte: „Ich freue mich mit den Akteuren und es macht Spaß zuzuschauen. Meine Frau und ich haben den Einkauf mit dem fasnachtlichen Erlebnis verbunden.“

„Ich bin extra wegen der Straßenfasnacht hier. Alles ist toll organisiert und es macht richtig Spaß. Heute bin ich bereits das dritte Mal dabei“, berichtete Sonja Tischer (31) aus Limburgerhof. Mohamed Kadric (17) aus Ludwigshafen sagte: „Ich komme aus Syrien. Bei uns wird nicht Fasnacht gefeiert. Aber Spielmannszüge gibt es auch in meinem Heimatland. Mit gefällt das hier.“

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