Ludwigshafen

Soziales Projekt der Jugendkirche kann wegen Corona nicht wie gewohnt stattfinden / In diesem Jahr Geschenktüten für Schüler

Ludwigshafener Kindervesperkirche findet nicht wie gewohnt statt

Archivartikel

Ludwigshafen.„Ich werde das Lachen, die Freude und den Spaß der Kinder im November sehr vermissen“, sagt Iris Hook vom Gemeindepädagogischen Dienst Ludwigshafen sichtlich berührt. Seit 2012 ist sie im Organisationsteam der Kindervesperkirche dabei, zum Ende des Jahres wird sie in Rente gehen. Jedes Jahr in der Woche um den Buß- und Bettag öffnet die Kindervesperkirche für eine der drei Grundschulen aus dem Umfeld des protestantischen Stadtjugendpfarramts. Sie richtet sich an alle Kinder, besonders an die, denen die gesellschaftliche Teilhabe schwerer fällt, weil ihre Familien wenig Geld haben. An vier Tagen wird für jeweils eine Klassenstufe ein gemeinsames Essen an großen Tischen ausgerichtet, anschließend können sich die Kinder austoben und einen schönen Nachmittag erleben. Am Freitag dann ist ein Fest für alle Familien im Quartier.

Doch: „In diesem Jahr ist ganz vieles anders“, sagt Dekanin Barbara Kohlstruck. Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie machen auch vor der Kindervesperkirche nicht halt, weshalb die Jugendkirche in der Ludwig-Börne-Straße nicht wie gewohnt ihre Türen für die Kinder der Albert-Schweitzer-Schule öffnen kann. „Es war relativ schnell klar, dass das in diesem Jahr nicht geht“, bedauert Stadtjugendpfarrerin Florentine Zimmermann.

Bei der Kindervesperkirche gehe es um das Gemeinschaftserlebnis in einer großen Gruppe, gemeinsam mit den Organisatoren und Helfern befänden sich 100 bis 150 Menschen dort. Eine Ausnahme vom Alltag sei das normalerweise, „aber im Moment ist der Alltag das höchste Gut für die Kinder“. Dieses gelte es zu schützen. „Deshalb haben wir uns dafür entschieden, das normale Programm nicht stattfinden zu lassen.“

Lunchpaket und Spielsachen

Ganz ausfallen soll die Veranstaltung aber nicht, die Jugendkirche will trotzdem ein Zeichen setzen gegen Kinderarmut. „Wir wollen die Kinder nicht im Stich lassen“, sagt Shannan Galbraith, Vorsitzende der Evangelischen Jugend. Deshalb werden die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer am Freitag, 20. November, an die Albert-Schweitzer-Schule fahren und die Schüler klassenweise mit Geschenktüten versorgen, in denen sich ein Lunchpaket sowie Spielsachen und Straßenkreide für die Kinder befinden. Anschließend soll noch eine kleine Sportübung oder ein Bewegungsspiel stattfinden, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Dies beseitige die Kinderarmut natürlich nicht, es sei ein Tropfen auf den heißen Stein, so Zimmermann. Doch man mache mit der Aktion auch auf das Problem aufmerksam. Zum Beispiel darauf, dass der Armutsbericht der Stadt Ludwigshafen überfällig sei. „Kinderarmut ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, bestätigt Uwe Lieser vom Gemeindepädagogischen Dienst: „Wenn man vom Lohn der Arbeit nicht leben kann, sind auch die Kinder von Armut betroffen.“ Die Kirche sei aufgerufen, immer wieder das Wort zu ergreifen.

Auch Lieser scheidet im Januar aus dem Team der Kindervesperkirche aus: „Ich werde dieses Gasthaus des Lebens vermissen“, sagt er.

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